Am Karfreitag verbanden Benjamin und ich einen Ausflug an die Copacabana damit zwei junge deutsche Damen, die zu dieser Zeit ein Praktikum an der deutschen Schule in Rio de Janeiro leisteten, abzuholen, um ihnen „Casa do Menor“ zu zeigen. Die zwei blieben das Wochenende in Miguel Couto, und ich war im Kulturzentrum beschäftigt. Zur Osternachtsmesse bin ich zu der katholischen Kirche hier in Miguel Couto gegangen, hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich den Rückweg 3,5 Stunden später antreten werde. Da die Messe stark besucht war, fand diese nicht in der Kirche, sondern in dem fußballhallenähnlichen Gebäude nebenan statt. Nachdem die Osterkerze am Osterfeuer, und die Privat- Osterkerzen an der Osterkerze entzündet wurden, startete ein Umzug durch die Stadt, der wieder in der Halle endete und dort aufgrund des Kerzenscheins eine sehr schöne Stimmung entstehen ließ. Dort konnte ich dann meine Gedanken schweifen lassen, oder auch einen der 12 Lesungen lauschen.
Am folgenden Ostermorgen wurde das in meiner Familie normalerweise als bestes des Jahres zelebrierte Frühstück durch ein Schälchen lauwarmen, drei Tage alten „Canjica“ (Art Milchreis) und zwei trockenen mit Magarine beschmierten Brötchen vom Vortag ersetzt. Aber unbedingt aus der Bahn geworfen hat mich dieser kleine Heimwehanfall nicht.
Am Dienstag wurde ich darum gebeten ein recht langes Dokument, die Geschichte „Casa do Menors“, vom Portugiesischen ins Englische zu übersetzen, um dieses dann bei Unterstützungsanfragen im englischsprachigen Raum und auch für die die nicht portugiesischen sprechenden Gäste zu benutzen. Für diese etwas mühselige Arbeit benötigte ich dann auch 4-5 Tage.
Ebenfalls am Dienstag kam eine sehr gute Freundin meines Partners Benjamins, namens Claire, hier, in dem vorher wohl sich nicht vorstellbaren Ort, an.
Am Donnerstag, den 27. März, nahm ich an der Eröffnungsveranstaltung des „Forum Mundial de Educação Baixada Fluminense 2008“, einem Forum für Bildung, teil. Dabei wurde ein riesiger Umzug veranstaltet, bei dem Schülergruppen und Bands, darunter die Percussão- Gruppe von „Casa do Menor“, mitliefen, Plakate gehisst und Parolen gebrüllt wurden, und somit eher an eine Demonstration erinnerte. Das Forum besuchte ich nochmals am folgenden Samstag, als Pater Renato ein Vortrag über seine „Pedagogia- Presença“ hielt.
Am Freitag danach unternahmen Benjamin und ich, zusammen mit einigen Betreuern und den Kindern der Häuser „Renascer“, „Reviver“ und „Ângelo“, den Häusern in denen wir bereits tätig waren, einen Ausflug nach Rio de Janeiro. Unser eigentliches Ziel des Ausfluges, der Besuch der Christusstatue auf dem Corcovado, konnte aufgrund einer Demonstration von Transportunternehmen vor Ort nicht erfüllt werden, was Benjamin und mich wohl mehr enttäuschte als die Kinder, die das ganze recht locker hinnahmen. Stattdessen sind wir auf eine Aussichtsplattform etwas unterhalb des „Cristo Redentor“ gegangen, von wo aus man ebenfalls eine wunderbare Sicht über diese wunderschöne Stadt hatte. Aus Sicherheits- und Übersichtsgründen fuhren wir dann zum „Praia Vermelha“, welcher direkt am Fuße des Zuckerhutes in einer Bucht liegt und nur wenige hundert Meter lang ist. Bevor die Kids sich aber in die Fluten stürzen konnten, kredenzten wir ihnen ein feines Lunch, welches Benjamin, Claire und ich am Vortag zubereitet hatten, und aus folgendem Bestand: Bananen, Hefezopf, Brötchen mit Schinken und Käse, Pudding, Kuchen und zum Trinken Wasser und Guarana (brasilianisches Erfrischungsgetränk). Als ca. 40 Kinder und Jugendliche ins Wasser rannten, sich von den Wellen treiben ließen, sich im Sand einbuddelten und spielten, wusste ich wie gut es diesen Kindern tut mal raus zu kommen und etwas anderes zu erleben. So viele glückliche Kindergesichter hatte ich lange nicht mehr gesehen!!! Trotz der Enttäuschung am Anfang war es ein echt toller Ausflug, welcher nur aufgrund der Gutherzigkeit eines Lehrers aus Benjamins Schule möglich war. VIELEN DANK dafür, auch im Namen der Kinder!!!!!
Wer sich schon immer gefragt hat „Ist der Moritz eigentlich legal in Brasilien??“, kann ich beruhigen, denn letzten Donnerstag wurde mein Visum um ein Viertel Jahr verlängert. Auf der „Policia Federal“ habe ich auch erfahren, dass der Visumsausweis, den ich habe, eigentlich gar kein richtiger ist, sondern nur ein Übergangsdokument bis ich den echten Ausländerausweis bekomme. Dieser ist anscheinend schon über einem halben Jahr auf dem Weg von Brasilia hierher…
Am vergangenen Samstag fand im Kulturzentrum ein recht großes Fest satt, bei welchem die verschiedenen Aktivitäten eine Vorstellung des bisher einstudierten machten und zusätzlich noch eine Capoeiragruppe, sowie mehrere Tanzgruppen aus anderen Gemeinden ihr Können demonstrierten. Ich war derweilen beim Essens- und Getränkeverkauf behilflich. Es wurden Pizza und Hot Dog (ausgesprochen „Hotsche Dogi“) angeboten. Die Veranstaltung endete erst am späten Nachmittag. Danach wurde ich noch zum Geburtstagskuchenessen vom Geburtstagskind André, aka Tikin, (Tanzlehrer) eingeladen, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte.
Morgen reise ich für drei Tage nach Brasilia, und folge damit der Einladung von Ana Paula, einer Brasilianerin, die zwei Monate als freie Mitarbeiterin für „Casa do Menor“ gearbeitet hat, und währenddessen in der Pousada lebte. Da wir uns sehr gut verstanden, freue ich mich schon auf diese kurze Reise.
Ich wünsche Euch allen alles Liebe und Gute
Abraço