Mit einem brasilianischen „amigo“ ging ich in das weltberühmte „Maracanã“- Stadion, um das Spiel Flamengo vs. Vitoria zu schauen. Es war für mich nicht nur das erste mal im Maracanã, sondern auch generell der erste Besuch eines professionellen Fußballspiels. Ich stand natürlich im Flamengo- Fanblock und grölte schon bald die Schlachtrufe mit. Leider ging es 1:0 für Vitoria aus, glücklicherweise blieben alle friedlich. Trotz der Menschenmassen und dem massenhaften Gebrauch von Schimpfwörtern fühlte ich mich bei Sambatrommelrhythmus und sommerlichen Wintertemperaturen wohl.
In der darauf folgenden Woche transportierten drei von der Regierung Rio de Janeiros zur Verfügung gestellte Reisebusse den Großteil der Casa do Menor- Mitarbeiter, - Kinder und – Auszubildenden zur „Candelaria“- Kirche im Zentrum von Rio, von wo aus der demonstrationsähnliche Gedenksmarsch startete. Dieser „caminhada em defesa da vida“ wurde den 8 Kindern und Jugendlichen, die vor 15 Jahren im Schlaf vor eben dieser Kirche von Polizisten erschossen wurden, sowie allen unter menschenunwürdigen Polizeihandlungen Leidenden, gewidmet. Es waren die meisten Casa do Menor- ähnlichen Institutionen Rio de Janeiros versammelt und wir begleiteten den Zug mit unserer Percussion- Gruppe aus dem Kulturzentrum. Am Abend des gleichen Tages hatte ich meinen Einstand in meine brasilianische Fernsehkarriere, als in den Nachrichten ein Bericht über die Demo lief.
Da in Brasilien vom 21.07.- 04.08. Winterferien waren veranstalteten wir im Kulturzentrum eine Art Ferienspiele (hier „colônia de férias“ genannt), die vor allem Stefio, der Leiter des Kulturzentrums, und ich organisierten. Und das war das Programm:
Donnerstag, den 24.07.
Um 14:00 Uhr ging es los mit einer Begrüßung und der Einteilung der Gruppen. Es gab vier Aktivitäten zur Auswahl, die zwar von den normalen Lehrern angeboten wurden, aber von den normalen abweichten:
Um 17:00 Uhr gab es ein Snack für alle, bevor dann das Erarbeitete in der Großgruppe vorgestellt wurde. Auf die Präsentationen folgte ein Kinoabend, bei dem wir über einen Beamer einen Film auf die Leinwand warfen.
Freitag, den 25.07
Da am Abend die Zeugnisvergabe der Casa do Menor- Ausbildungskurse im Kulturzentrum stattfinden sollte und dafür einige Vorbereitungen im Gange waren, sowie der eigentlich geplante Ausflug zu einem Landgut aufgrund von Mangel an Transportmöglichkeiten scheiterte, hatten wir nur am Vormittag ein Programm. Wieder gab es vier Gruppen, allerdings wurden die Lehrer vertauscht. Der schlaksige Trommellehrer übernahm den Tanzunterricht, der Tanzlehrer den Trommelunterricht, der Capoeiralehrer den Chor und der Musiklehrer den Theaterkurs. Nach einiger Vorbereitungszeit folgten sehr außergewöhnliche Präsentationen der Gruppen und es gab einiges zu lachen.
Samstag, den 26.07
Nach einer Aufwachgymnastik um 09:00 Uhr startete ein Wettkampf zwischen sechs Teams. Jeder der sechs Lehrer übernahm ein Team, zusätzlich gab es zwei Jurymitglieder. Punkte konnten gesammelt werden in den Disziplinen Singen, Völkerball und Schwimmen. Am Nachmittag fand allerdings die absolute Königsdisziplin statt, nämlich das Einstudieren und Vorführen eines typischen „festa junina“- Tanzes, bei dem die „Hochzeit“ mit vorkommen musste (festa junina = traditionelle Junifeste mit Tänzen aus dem Nordosten Brasiliens). Nachdem alle Gruppe vorgeführt hatten stand der Sieger fest und es gab typisches Festa Junina- Essen: Canjica und süßer Reis.
Sonntag, den 27.07
Vormittags fand eine Art Rally statt, bei der verschiedene Teams bestimmt markierte, über das Gelände verteilte Zettel finden musste und dem Schiedsrichtergespann einreichen musste. Nachmittags war reine Freizeit angesagt, das heißt, Schwimmbad für alle.
Insgesamt waren die vier Tage ein voller Erfolg. Die Jugendlichen hatten viel Spaß und eine Freizeitbeschäftigung- das ist das wichtigste.
Direkt am Montag danach brach ich zu meiner letzten Reise auf, und zwar nach São Paulo, wo ich Vinny traf. Vinny lernte ich vor drei Jahren bei meinem Auslandsaufenthalt in USA kennen und seitdem hatten wir mehr ab als zu Kontakt. Wir fuhren zu seiner
...die sogenannte "Favela Vertical", ein besetztes bereits zum Abriss freigegebenes Wohnhaus im Zentrum von São Paulo...Jetzt geht es mit großen Schritten Richtung Heimat und ich kann sagen: „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“.
Eine herzliche Umarmung schickt Euch
Moritz
Wie Ihr seht habe ich mich in letzter Zeit etwas veraendert!!!





















