Freitag, 21. Dezember 2007

Weihnachtsvorbereitungen...

Gerade sitze ich in kurzer Hose in meinem Zimmer (da ich alles auf meinem Notebook vorschreibe und dann im „Lan House“ [Internetcafe] wegschicke) und habe den Ventilator auf mittlerer Stufe (die höchste Stufe bewahre ich mir für den Sommer auf) auf mich gerichtet, um etwas gegen die Hitze (ca. 35° Celsius) hier anzukämpfen, die es mir leider schwer macht in richtige Weihnachtsstimmung zu kommen. Dennoch habe ich vorletzte Woche die Weihnachtssaison eingeläutet, als ich zusammen mit Benni zwei Tage lang in der Küche der Pousada stand und wir fünf verschiedene Sorten köstlicher deutscher Weihnachtsplätzchen gezaubert haben: Kokosmakronen, Zimtbällchen, Schoko- Schnitten, Spritzgebäck, Liebesbriefchen. Das ganze lief ab auf Wunsch von Pe. Renato, aber wir hatten auch eine Menge Spaß dabei (vor allem als wir feststellten, dass sich Brasilien nicht unbedingt für Schokoladenplätzchen eignet...;)). Die vorzüglich schmeckenden Plätzchen befinden sich nun in der „Paderia“ (Bäckereigeschäft) Casa do Menors und werden dort verkauft.Ein weiteres Indiz für den Beginn der heiligen Zeit sind die Dekorationsarbeiten in der Pousada. Anfang letzter Woche hat Eunice zwei Weihnachtsbäume und weitere weihnachtliche Verziehrungen vom Schrank geholt und damit begonnen die Pousada zu schmücken. Dabei war ich ihr gerne behilflich, auch wenn dabei viel Schweiß floß.

Ich befürchte, dass in den nächsten Tagen auch nicht mehr Weihnachtsgefühle in mir geweckt werden, aber ich wünsche Euch dennoch eine schöne, hoffentlich nicht stressige Weihnachtszeit!

In den vergangenen sieben Tagen ist mal wieder einiges passiert. Zum einen war ich letzten Donnerstag Abend zusammen mit Kids und Mitarbeitern, sowie Pe. Renato und den zur Zeit Casa do Menor- besuchenden Italienern im italienischen Konsulat in Rio Centro. Der Anlass des Besuches war die Buchvorstellung des von Pe. Renato auf Italienisch verfassten Buches „In Strada“ (in der Straße). Doch bevor diese begann, legten ein paar Jungs und Maedels von Casa do Menor eine mitreißende Bühnenshow mit Perkussion und Capoeira hin. Die Buchvorstellung an sich war nicht allzu lang, wohl weil sich schon alle auf die feine italienische Pasta und Panetone freuten, was danach serviert wurde...Mir hat sehr gut gefallen wie Pe. Renato den Titel seines Buches erklärte. Er meinte nämlich, dass dieses Buch nur das Sprachrohr für diejenigen sei, die nicht die Möglichkeit haben ihre Stimme zu erheben, um über sich zu berichten, um zu kritisieren, um auf sich aufmerksam zu machen etc., die auf der Straße leben....

Der Freitag begann bereits um 5 Uhr in der Frühe, als ich nämlich von Cicero und Claudio mit dem Auto abgeholt wurde, um zu Casa Rafael (das vor erst einem Jahr erhaltene Haus im Zentrum Rios, welches vor allem als direkter Anlaufpunkt für Straßenkindern genutzt werden kann) zu fahren, wo noch letzte Übergabebesprechungen zwischen Cicero und Claudio ablaufen sollten, da Cicero mit einer Gruppe von ca.12 Personen nach „CdM Fortaleza“ geht und Claudio seine Arbeit als Verantwortlicher von Casa Rafael fortführt. Aufgrund Ciceros Stadtkenntnissen kamen wir bereits zweieinhalb Stunden später dort an (ohne Schleichwege hätten wir vermutlich über eine Stunde länger gebraucht). Zunächst habe ich das Haus etwas erkundet und danach den dortigen Computer etwas benutzbarer gemacht. Wie bei fast allen Häusern CdMs ist das Haus an sich absolut genial, doch leider ist es auch sehr renovierbedürftig (bei Regen überall Wasser im Haus!). Nach dem Mittagessen gings weiter, und zwar nach Rocinha, eine der wohl bekanntesten Favelas Rio de Janeiros. Sie ist auf einem der zahlreichen Hügel gelegen, sodass sich eine enge Hauptstrasse hindurchschlängelt. Dort haben wir uns mit einem Jungen getroffen, der bereits einmal in CdM war und in den „traffico“ involviert ist. Danach erzählte mir Cicero, dass wohl (wenn man genau geschaut hat) überall Personen am Informationsdurchgeben per Handy und im Hintergrund sicherlich bewaffnete „trafficantes“/ Einwohner/...waren. Ein etwas seltsames Gefühl im Bauch hatte ich schon, doch in Gefahr habe ich mich niemals gefühlt...

Am Sonntag war ich zunächst auf dem Weihnachtsfest der Häuser im Kulturzentrum, wo es zunächst ein paar Aktivitäten wie Fußball und Schwimmen, dann Mittagessen und am Schluss Geschenke für jeden gab (so ähnlich wie Weihnachten im Schuhkaton). Nach dem Mittagessen habe ich die Festlichkeiten allerdings verlassen, da ich am Nachmittag zu der Jahresfeier einer Englisch- und Spanischschule eingeladen war. Ich war erstaunt zu sehen/ zu hören, dass Brasilianer ja doch Englisch sprechen können....Abends bin ich dann noch mit ein paar Leuten in eine Karaokebar gegangen, was ein Riesenspaß war.

So langsam bekomme ich auch eine Übersicht über die „cidade maravilhosa“. Viel dazu beigetragen hat der Riotrip am Montag. Zunächst war ich völlig davon beeindruckt wie Cicero inmitten Rio Centro (das kommerzielle Zentrum Rios) einen sehr einfach erreichbaren, kostenfreien Parkplatz gefunden hat. Wir (Benni, Emanuele [Italiener] und ich) begleiteten Cicero, der nämlich einen Brief abgeben musste, und konnten dadurch etwas zwischen den Hochhäusern herumschlendern und dadurch den Eindruck gewinnen, dass wir vielleicht doch nicht in Rio sind, sondern in New York City. Doch dann ging es zum eigentlichen Ziel des Tages: der auf dem Corcovado gelegene und zu den Weltwundern zählende Christo Redentor. Unser Weg führte zunächst durch den Stadtteil St. Teresa und dann durch den Dschungel bis (fast) zum Christo. Nach der Freude endlich an diesem weltberühmten Ort zu sein stellte sich bei mir etwas Trauer ein, da dicke Wolken die Sicht auf die Umgebung verdeckten und Christo, wie so oft, mit dem Kopf und vor allem den Händen im Nebel lag. Doch zum Glück kam dann doch noch die Sonne durch, sodass uns ein fantastischer Ausblick über die wunderschöne Stadt geboten wurde und folgende traumhafte Fotos entstehen konnten.



Christo Redentor ...



...Christo...



...Moe und Christo...

...Blick auf Ipanema...



...Blick Richtung Baixada, mit Maracana vorne links...

Von einer etwas niedriger gelegenen Aussichtsplattform präsentierte sich die Stadt in noch schönerem Lichte, was in folgenden Fotos leider nur ansatzweise wiedergegeben werden kann.



...Pão da Açucar...


...Cicero und ich...

...kurz nach dem Aufstehen.


Nach der Touri- Tour fuhren wir in die Nähe des Busbahnhofes, wo wir uns mit Pe. Renato, den Italienern und ein paar CdM- Kids trafen, um mit den dortigen Straßenkindern ein kleines Weihnachtsfest zu feiern. Der jüngste Teilnehmer unter den Straßenkindern war ein ein Monat altes Baby, was am Ende zusammen mit ihrer Mutter mit nach Miguel Couto kam. Es war mittlerweile das dritte Mal, dass ich beim Besuch der Kinder dabei war, sodass ich ein paar wiedererkannt habe. Ich fühle mich nicht mehr ganz so verloren und hilflosen zwischen den Kindern wie das beim ersten Mal der Fall war. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich jetzt in etwas weiß, was mich erwartet. Den Dienstag habe ich im Büro verbracht, da ich die Ehre hatte zwei Projekte vom Portugiesischen ins Deutsche zu übersetzen.


Wie zuvor wünsche ich Euch allen eine schöne Weihnachtszeit!

Braungebrannt und fröhlich grüsst der Moritz aus Brasilien...

Mit Marcos beim Pfannkuchenmachen...

...der Meisterkoch.







Dienstag, 4. Dezember 2007

Kontrastprogramm...

...genau dieses habe ich am Freitagabend erlebt, als ich zusammen mit den fünf zurzeit in Casa do Menor arbeitenden Italienern, Benjamin, Padre Renato und drei Mitarbeitern Casa do Menors (die Verantwortlichen für „Casa Rio“- das Haus Casa do Menors mitten im Centro Rios- und die auch als „Streetworker“ taetig sind) in die Innenstadt Rios gefarhen bin.Zunächst sind wir in die Nähe des weltweit größten Busbahnhofes gefahren, und zwar an einen Ort, wo gewöhnlich sehr viele auf der Straße lebende Kinder anzutreffen sind. Die Streetworker Casa do Menors gehen dort wohl regelmäßig zwei mal die Woche hin, um mit den Kindern/ Jugendlichen zu sprechen, sodass diese bereits mit einem Teil der Gruppe vertraut waren. Es lag der Geruch von Klebstoff in der Luft, was aber auch nicht verwunderlich war, da jedes Kind entweder eine mit Klebstoff gefüllt Plastikflasche oder eins in Klebstoff getunktes T-Shirt in der Hand hielt. Dementsprechend waren die schätzungsweise zwischen 10 und 16 Jahre alten Kinder berauscht und schienen ziemlich weit weg, in einer anderen Welt (was aber leider wiederum die Realität ist) zu leben. Ich war daher überrascht wie offen die Kinder mich umarmt und mit mir gesprochen haben. Ein Mädchen haben wir ins Krankenhaus gebracht, da diese aufgrund eines Schlages ihres Bruders mit einer Eisenstange völlig zugeschwollene Augen und wie man dem Schreien entnehmen konnte starke Schmerzen hatte.

Danach ging es zur Sambaschule, wo bis Karneval Anfang Februar jeden Tag eine andere Sambaschulen trainiert, und der Eintritt dafür frei ist. Der Durchlauf aller Tänzer (mehrere Tausend) begann nach brasilianischer Zeit pünktlich mit eineinhalb Stunden Verspätung. Es war sehr ausgelassene Stimmung, und auf den Tribünen wurde viel mitgetanzt und mitgesungen, sowie die Sambaschule „Beija Flor“ angefeuert. Nach dieser kleinen Einstimmung auf Karneval fuhren wir noch zum Stadtteil „Lapa“, wo ein Club bzw. eine Bar nach dem anderen ist, aber ein Großteil der Party einfach nur auf der Straße stattfindet. Dann, um 00.30 Uhr, kam ich noch in den Genuss am weltbekanntesten Strand „Copacabana“ feinstes Kokoswasser aus einer feinen Kokosnuss zu schlürfen.

Der Abend hat bei mir auf jeden Fall viele Fragen aufgeworfen...

Bericht November 2007

In diesem Monat war mir sehr viel Abwechslung geboten, was vor allem an den vielen internationalen Besuchen (zwei Deutsche, ein Engländer, sechs Kubaner, fünf Italiener und sechs Deutsche) lag, da ich die Möglichkeit hatte die Besucher auf ihrer „Casa do Menor- Kennenlern- Tour“ zu begleiten und somit mir noch unbekannte Einrichtungen/ Orte zu erkunden und einen weiteren Einblick in die vielseitige, sinnvolle und schöne Arbeit von Casa do Menor zu erhalten. Zu den besuchten Orten zählen die „Fazenda da Esperança“ in Teresopolis und Guapimirim (Drogenentzugtherapie durch Selbstversorgung auf einem Bauernhof), „Casa do Menor Rosa dos Ventos“ (Kindergarten, Schule, Kulturzentrum und Ausbildungskurse im nahegelegenen Ort Rosa dos Ventos) und Vila Claudia.Teilweise konnte ich schon meine wachsenden Sprachkenntnisse unter Beweis stellen, als ich zum Beispiel bei den Ausflügen Übersetzungshilfe leistete, oder auch für die Touristikleitung die Regeln der Pousada zum einen ins Deutsche und zum anderen ins Englische übersetzte.

Bisher habe ich zwei Tage in Casa Angelo (8- 14- jährige Jungs) verbracht und somit den Ablauf eines anderen Casa- Lares schon etwas kennengelernt. Der Umgang mit den Kindern dort weicht von dem mit den Kindern/ Jugendlichen in Casa Renascer ab, da ich dort viel mehr als Autoritätsperson gesehen werde als ein Kumpel (was beides durchaus gut ist, wie ich finde!). Mein Ersatzdienstpartner Benjamin und ich haben in Casa Angelo ein Lagerfeuerabend mit Stockbrot veranstaltet, worüber sich die Jungs wahnsinnig gefreut haben.

Die meiste Zeit habe ich aber weiterhin in Casa Renascer verbracht, wo ich jetzt zum erstmal mitgekriegt habe, dass sich die Besetzung der Häuser immer im Wandel befindet, da zum einen Jugendliche in ein anderes Haus oder nach Zuhause ziehen und somit neue Jungs aus der Erststationierung in Tinguá nachrücken können oder zum anderen es einige Jungs wieder auf die Straße oder zum vorherigen Leben zurückzieht. Ich denke, dass ich ein (sehr) gutes Verhältnis zu den Jungs habe, und einen guten Mittelweg zwischen Spaßerei und Ernsthaftigkeit/ Respekt gefunden habe. Freitags begleite ich zwei der Jungs zum (Lese-) Nachhilfeunterricht im benachbarten Bairro.Als ich dennoch Ende des Monats das Gefühl hatte auf der Stelle stehen zu bleiben (nach ca. 10 Wochen Casa Renascer), kam die Frage des Leiters des Kulturzentrums (CIDAH) Stefio, ob ich ihm nicht bei seiner Arbeit etwas behilflich sein kann, gerade richtig. Seine Anfrage beinhaltet folgende zwei Arbeitsbereiche:1. Wiederaufnahme des Schwimmunterrichts, welchen mein Vorvorgänger und mittlerweile Halbbrasilianer, ins Leben gerufen hatte (voraussichtlicher Beginn am 01.Dezember)2. Unterstützung bei der bürokratischen Arbeit des Kulturzentrums (Immatrikulation neuer Kinder/ Jugendliche, sowie Ergänzung und Pflege der Unterlagen bereits immatrikulierter Kinder/ Jugendliche)Mit letzterem habe ich bereits begonnen. Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich über die Änderung und bin gespannt auf die Herausforderungen, die mich bei der Arbeit im Kulturzentrum erwarten.
Nach 10 spannenden, erfahrungs- und ereignisreichen Wochen fühle ich mich in meiner neuen Heimat unheimlich wohl und genieße es mit den liebevollen Mitarbeitern und- menschen zu arbeiten und zu leben.

Montag, 26. November 2007

...und schon wieder eine WOCHE rum.

Die Tage vergehen hier wie im Fluge und die vergangene Woche war natürlich von besonderen Erlebnissen nicht ausgenommen.Zum einen habe ich nach Absprache mit einigen Verantwortlichen eine Änderung meines Arbeitsbereiches vorgenommen. Ich werde zukünftig am Wochenende im Kulturzentrum (CIDAH) von Casa do Menor arbeiten und unter der Woche an drei Tagen in Casa Renascer und Casa Angelo (8-14 jährige Jungs). Ich freue mich auf die neue Arbeit und die damit verbundenen Herausforderungen, die an mich gestellt wird (über meine Aufgaben in der CIDAH werde ich berichten).

Am Mittwoch war ich zum ersten mal in der Capoeiraschule von Rildson in Santa Rita. Ein Freund hat mich abgeholt und wir sind dann zusammen ca. 25 min dort hingeradelt. Auf der Fahrt sind mir folgende zwei Sachen durch den Kopf gegangen:
1. dieser Ballungsraum rund um Rio ist einfach unglaublich. Da fahre ich eine halbe Stunde mit dem Fahrrad nur zwischen Häusern hindurch und überall sitzen die Menschen auf der Straße, in den Bars, die Musik dröhnt laut...
2. Fahrradfahren kommt einem Extremsport gleich: ständige Konzentration und Aufmerksamkeit, sowie Kreativität, Fitness und Risikobereitschaft sind gefragt, wenn man sich zwischen Autos, Bussen, Motorrädern, anderen Fahrrädern, Menschen und Pferdegespannen bewegt und versucht den Schlaglöchern und geschwindigkeitsreduzierenden Straßenhubbeln zu umgehen. Bisher habe ich mich nur einmal hingelegt, als ich dachte, dass ein kleiner, schlaksiger Junge die Kraft dazu hat mich auf dem Gepäckträger bergab auf einem nicht- asphaltierten Weg zu transportieren (nur ein paar Schrammen am Bein zeugen noch von dieser Tragödie).

Am Freitag war ich den ganzen Tag unterwegs. Morgens und nachmittags in Casa Renascer, wo ich zwei Jungs zum (Lese-)Nachhilfeunterricht im benachbarten Ort „Nova America“ begleitet habe (30 min. zu Fuß), und abends in Casa Angelo (20 min. mit dem Fahrrad), wo Benni und ich ein Lagerfeuer veranstaltet haben. Benni hatte bereits tagsüber mit den Kids Stockbrotteig und Stöcke zurechtgemacht. Die Jungs (und auch ich) hatten einen riesigen Spaß. Passend zum Stockbrot schlürfte ich (zum ersten mal in meinem Leben) aus einer Kokosnuss Kokosnussmilch. Die Zufahrt zu Casa Angelo ist nämlich mit einer Kokospalmenallee bestückt und glücklicherweise werden die Nüsse gerade reif. Genauso siehts auch mit Mangos aus. Bei jeder Gelegenheit kriege ich eine Mango vom Baum gepflückt (Casa Renascer hat ein Baum). In Deutschland habe ich immer gerne auf Mango verzichtet, hier allerdings gibt’s nichts besseres. Hmmm, stimmt nicht ganz. Es gibt doch noch was besseres, nämlich „Jaca“. Das ist echt die unglaublichste Frucht, die ich je gegessen habe: riesig, schwer, süß...einfach hervorragend...


Lagerfeuer in Casa Angelo (+Kokosnussschluerfen)

...eine Jaca und ich...

...Jungs aus Casa Renascer, nachdem sie zwei Jacas aus dem 20 m hohen Baum gepflueckt hatten

Weiterhin gibt es zu berichten, dass hier in der Pousada wieder etwas mehr Leben ist, seitdem am Donnerstag fünf Italiener und am Samstag sechs Deutsche angekommen sind. Drei oder vier der Italiener werden einen Monat und die restlichen eine Woche hier bleiben. Unter den Deutschen befindet sich der neue Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Wolfgang in Dieburg Herr Vogel und weitere schon seit langen Jahren eng mit dem Projekt in Kontakt/ Freundschaft stehende Herren. Sie werden allerdings schon nach drei Tagen zu Casa do Menor nach Fortaleza (Nordosten Brasiliens) weiterziehen. In dieser Zeit findet ein reger „intercultural intercambio“ statt: die Mischung aus deutscher, portugiesischer, italienischer und englischer Sprache sorgt für viele lustige Momente und viel Verwirrung in meinem Kopf.

Seid alle herzlich von mir gegrüßt!
Euer Maurício

Sonntag, 18. November 2007

noch 10 spannende Wochen...

Jetzt sind es schon zwei Monate, dass ich im schönen Brasilien bin, und bisher war es ein eine sehr erfahrungs- und ereignisreiche Zeit. Mir geht es nach wie vor sehr gut hier, ich kann nicht klagen.

Die letzten zwei Wochen habe ich meistens in Casa Renascer gearbeitet. Dort habe ich zum ersten mal mitgekriegt wie sich die Besetzung der Häuser immer im Wandel befindet. Es gibt einen neuen „pai social“ in Casa Renascer, drei Jungs sind in ein anderes Haus gezogen (Casa Vida), da sie jetzt arbeiten, drei neue Jungs sind aus Casa André in Tingua nach Casa Renascer gekommen, einen Jungen hat es wieder auf die Straße gezogen, ein Junge muss wohl aufgrund einer Schlägerei das Projekt wechseln...

Letzte Woche gab es eine kleine Änderung was meine Wohnsituation angeht. Und zwar bin ich zusammen mit Benni von einem geräumigen Vierbettzimmer in ein Minizweibettzimmer gezogen, was wir aber bereits etwas aufgemotzt haben, indem wir Regale konstruiert und angebracht haben. Klein aber fein....

Am Donnerstag, welcher ein Feiertag hier war, war zunächst das monatliche (spirituelle) Zusammentreffen aller Mitarbeiter in der Kapelle von Casa do Menor. Das Thema des „retiro“ war „Verluste“, sodass jeder die Möglichkeit hatte sich darüber Gedanken zu machen, aber auch mit anderen darüber zu sprechen. Ich war beeindruckt davon, wie offen und frei von der Seele manche Mitarbeiter ihre drei größten Verluste im Leben vor allen präsentiert haben.Nachmittags ging es (spontan) nach Rio Centro, da dort im Italienischen Kulturzentrum ein italienisches Klassikkonzert stattfinden sollte. Wir (einige Jugendliche aus den Häusern, Eunice, Benni, Pe.Renato, ich) fuhren mit dem hauseigenen Reisebus nach Rio, wo wir uns die Vorführung anschauten und danach wieder zurückkehrten. Pe. Renato wurde wohl dazu eingeladen. Die Rückfahrt erinnerte mich an eine Klassenfahrtfahrt, da viel gesungen, geklatscht und gelacht wurde. Insgesamt war es ein sehr schöner Ausflug und ich denke vor allem für die Kids war es was besonderes mal aus dem Gewohnten hier in Casa do Menor rauszukommen und auch was von der Stadt zu sehen, wo sie ja schließlich herkommen (Zuckerhut etc.).

vor dem Konzert

Gestern und heute war ich wie jedes Wochenende im Kulturzentrum von Casa do Menor und habe etwas an meinem Capoeira gearbeitet. Da fällt es mir vor allem an Gelenkigkeit...Dafür habe ich im anschließenden kleinen Ju- Jitsu- Training geglänzt, wo ich eindeutig noch von meinen Fähigkeiten aus meiner 7- jährigen Judokarriere profitierte.

Nächste Woche wird interessant für mich, da sich entscheiden wird, wo ich in nächster Zeit arbeiten werde. Ich werde auf jeden Fall davon berichten...


Sonntag, 4. November 2007

Eine sehr abwechslungsreiche Woche...

Zunächst weise ich darauf hin, dass der vorherige Post meinen Monatsbericht September/ Oktober enthält. Monatlich sollte ich für das Bischöfliche Ordinariat in Mainz, für die Gemeinde St. Wolfgang in Dieburg, sowie für die Verantwortlichen von Casa do Menor einen Bericht verfassen, in welchem ich zum einen über meine Arbeit und zum anderen über mein Wohlbefinden schreibe.
Nachdem ich die ersten sechs Wochen mit Benni und Eunice allein in der Pousada verbracht hatte, war die vergangene Woche eine ganz neue Erfahrung, da am Sonntag zwei Krankenschwestern aus Heidelberg namens Sina und Denise für einen Kurzurlaub (sie brachten auch reichlich Antibiotika für die Gesundheitsstation von Casa do Menor mit) und am Montag eine Gruppe von sechs Kubanern, die die Philosophie Casa do Menors und Pe. Renatos kennen lernen wollten, ankamen. Dazu kam noch Nick Danziger, ein englischer Fotograf aus Monaco, der Fotos für Spender aus Monaco machen sollte. Den Kubanern sollte innerhalb ihres fünftägigen Aufenthaltes möglichst viel von Casa do Menor (CdM) gezeigt werden, sodass ich die Möglichkeit hatte mit ihnen herumzuziehen und auch für mich neue Bereiche CdMs zu entdecken.

Am Dienstag ging es nach Tingua, einem Ort nahe eines (Ur-) Waldreservoirs. CdM besitzt dort ein „Sitio“ (Landgut), auf welcher sich neben einer riesigen Anbaufläche (Bananen, Mandiok,...) „Casa Andre“ (dieses Haus ist der erste Aufenthaltsort für jugendliche Jungs im Alter von ca.14- 17 Jahren), „Casa Jesus Menino“ (Haus für geistig- und körperlich behinderte Kinder) und ein weiteres Haus, welches zur Zeit von einigen CdM- Mitarbeitern genutz wird, um ihre Spiritualität zu festigen, befinden. Ich würde sehr gerne einige Wochen in Tingua verbringen, doch zunächst möchte ich die Sprache besser beherrschen, da die Jungs in Casa André so zusagen noch Frischlinge in CdM sind und daher mehr Sprachkenntnisse erforderlich sind.
das Gelaende...

...

...Casa Andre...

... Jungs aus Casa Jesus Menino

Am Donnerstag Morgen reisten die beiden Deutschen ab und damit war meine Zeit als Dolmetscher wieder vorbei. Ich war von mir selbst sehr überrascht, als es mir beim Übersetzen erstaunlich leicht viel das Brasilianisch zu verstehen. Doch anscheinend machen meine Sprachkenntnisse doch Fortschritte J
Ebenfalls am Donnerstag begleitete ich die Kubanergruppe und Pe. Renato bei ihrem Ausflug nach Teresopolis, wo sich eine von CdM mitgetragene „Fazenda da Esperança“ (Bauernhof der Hoffnung) befindet. Fazenda da Esperança ist eine in der ganzen Welt (auch in Deutschland!) und besonders häufig in Brasilien vertretende Einrichtung zur Drogentherapie. Die Erwaschenen und Jugendlichen leben dort ein Jahr und versorgen sich nachezu selbst, indem sie Gemüse, Obst, Fleisch etc. anbauen. Das Gelände ist riesig groß und befindet sich mitten im Urwald. Schon bei der dreistündigen Fahrt dorthin durchquerten wir einen Nationalpark mit beeindruckenden Gebirgsformationen und Wäldern. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich am Ausflug nach Teresopolis teilgenommen habe, da ich eine völlig andere Seite des bereits jetzt schon von mir geliebten Landes Brasilien kennengelernt habe. Die Landschaft ist traumhaft schön und bietet den kompletten Kontrast zu meiner Umgebung hier in Miguel Couto, wo sich ein Haus ans Andere drängt.


Am Freitag war der „Tag der Toten“ (wenn ich es richtig verstanden habe), ein Feiertag, an dem einige der Kinder aus den Häusern, sowie einige Mitarbeiter CdMs, Pe. Renato, Benni, die Kubaner, der Fotograf und ich zum Sklavenfriedhof nach Iguaçu Velho (etwa 15 Minuten entfernt) gefahren sind. Früher wurden dort Sklaven begraben, heute dient er als Begrabungsstätte von Heimat-, Namen- und Familienlosen (einige davon Kinder/ Jugendliche von CdM). Die von Pe. Renato gehaltene katholische Messe wurde vom Macumba- Trommel- Lärm begleitet, da zeitgleich ein afrobrasilianisches Macumbafest veranstaltet wurde (Macumba = Voodoo). Dabei wurden zahlreiche Kerzen entzündet, Speisen geopfert und sogar ein mit Alkohol beträufeltes Huhn in die Luft gejagt (ich habe nur die Stichflamme aus der Entfernung gesehen). Diese Festlichkeiten haben mich sehr begeistert, da es ein Zeichen für die Vielseitigkeit und Mixtur der brasilianischen Kultur ist. Wo erlebt man schon mal einen Gottesdienst als Parallelveranstaltung zu einem Macumbafest?

Abends sind die Kubaner und Nick, welcher einen beeindruckenden Lebenslauf zu verzeichnen hat und eine außergewöhnliche Persönlichkeit ist (Bilder von ihm findet ihr im Internet), wieder abgereist und es ist wieder etwas ruhiger hier in der Pousada...

Bericht September/ Oktober 2007

In den ersten paar Tagen nach meiner Ankunft am 14. September wurde mir die Einrichtung „Casa do Menor“ (Casa Lares- Häuser für die Unterbringung der Kinder, CAPS- Administration und Ausbildungskurse, CIDAH- Kulturzentrum) von verschiedenen Mitarbeitern vorgestellt, sodass ich dann entscheiden konnte, in welches der Häuser ich zunächst gehen möchte. Meine Wahl fiel auf „Casa Renascer“ („Haus des Wiederauflebens“), wo zur Zeit neben einem angolaschen Jugendlichen namens Salomao, welcher zur Krebstherapie nach Brasilien gekommen ist, und den zwei „pais sociais“ (Sozialeltern)13 Jungs im Alter von 12 bis 17 Jahren wohnen.
In der Regel „arbeite“ ich von 8.45 Uhr (zuvor um 8.00 Uhr morgendliche Andacht in der Kapelle von Casa do Menor, sowie 15 Minuten Weg zu Casa Renascer) bis 17.00 Uhr in Casa Renascer. Allerdings finde ich es schwer meinen Aufenthalt dort als wirkliche Arbeit zu bezeichnen, da ich es eher als ein „Zusammenleben“ empfinde. Ich spiele mit ihnen Fußball, singe mit ihnen, tanze mit ihnen, mache einen Ausflug auf einen nahe gelegenen Hügel, von wo aus man eine Sicht über einen Großteil der Baixada Fluminense hat, versuche mich mit ihnen zu unterhalten (aufgrund von mangelhaften Sprachkenntnissen oft schwierig) und bin traurig und glücklich mit ihnen. Ich bin also als Teil der Familie Renascer zusätzlich zu den „pais sociais“ ein Ansprechpartner, der sich den Kindern/ Jugendlichen präsent zeigt und auch jedem etwas mehr Aufmerksamkeit zubringen kann. Dabei versuche ich auch die „pais sociais“ etwas zu entlasten, indem ich vormittags beim Kochen helfe (meine besondere Leidenschaft gilt der Knoblauchzubereitung), im Garten etwas für Ordnung sorge, oder auch kleine handwerkliche Dienste verrichte (Reparatur des Schrankes eines Jungen).Das Verhältnis zwischen den Jungs und mir ist seit meinem Beginn vor ca. 6 Wochen vertrauensvoller geworden, sodass ich mir sicher bin, dass ich, sobald ich das Haus demnächst wechsele, sie vermissen werde und auch umgekehrt, dass sie mich vermissen werden.

Insgesamt fühle ich mich hier in Miguel Couto sehr wohl und kann behaupten, dass ich mich recht gut eingelebt habe. Mit wachsender Sprachkenntnis und damit auch wachsendem Verständnis für Vieles bekomme ich einen immer weiteren Einblick (auch wenn bruchstückhaft) in die „Geschichten“ der Kinder, die Arbeit Casa do Menors, das Leben in der Baixada und die Kultur Brasiliens. Ich bin auf jeden Fall froh den Schritt ins Unbekannte gewagt zu haben und blicke gespannt und mit Freude in die nächsten 10,5 Monate hier in Brasilien!

Mittwoch, 24. Oktober 2007

Oi

Die „Arbeit“ in Casa Renascer macht eigentlich immer mehr Spaß, da das Verhältnis zu den Jungs vertrauensvoller und generell besser geworden ist. Es gibt Momente, wo wir uns lachend in den Armen liegen, zum Beispiel, wenn einer Jungs versucht den englischen Liedtext aus dem Radio nachzusingen (da wird aus „beautiful girl“ schon mal „tjutiful tirl“) oder wenn jeder seine Tanzkünste auf die Musik im Radio demonstriert. Ich weiss jetzt schon, dass ich alle vermissen werde, wenn ich auch nur das Haus wechsele.
Ich kriege immer mal wieder einen kleinen Einblick in die Vorgeschichte der Jungs, sei es durch Gespräche mit ihnen selbst oder mit einem der pais socias. Doch so wirklich realisieren kann ich nicht, was ich dort zu hören kriege (das ist womöglich auch besser so). Ein Junge, dessen Familie (10 Geschwister, einer davon ermordert) in einer Favela in Rio lebt, kann zum Beispiel nicht nach Hause zurückkehren, da er dort auf der Abschussliste steht....

Am Freitag habe ich den ganzen Mittag und beginnenden Abend geholfen die CIDAH- Einrichtung für die 21- Jahre- Casa do Menor- Feier am Samstag herzurichten. Meine Aufgabe bestand darin (zusammen noch mit 2-3 Helfern) eine riesige (halboffene) Turnhalle zu säubern – und zwar mit zerrupften Besen im Miniaturformat. Das Ergebnis war eine wunderschön saubere Halle und zwei von Blasen geplagte Hände. Die Arbeit hatte sich auch wahrlich gelohnt, da am Folgetag alle Kinder und Jugendlichen aus allen Häusern (insgesamt sind es 10 Häuser) anwesend waren und durch verschiedene Auftritte der CIDAH- Kurse (Tanzen, Percussion,...) unterhalten wurden. Allerdings wurde nicht der ganze künstlerisch- athletische Reichtum präsentiert, da sich eine ausgewählte Gruppe von Jugendlichen zur Zeit in Europa (Deutschland, Italien, sogar Audienz beim Papst) befindet bzw. heute zurückkommmt. Am morgigen Donnerstag finden weitere Festlichkeiten statt.

Von der Zeitumstellung scheinen hier alle noch nach einer Woche (vom 14. auf den 15. Oktober wurde eine Stunde vorgestellt, sodass ich jetzt nur noch 4 Stunden hinter deutscher Zeit bin [ab dem Wochenende dann noch 3 Stunden]) gebeutelt zu sein, sodass die morgendlichen Andachten immer etwas verspätet anfingen. Was das Zeitgefühl hier angeht, läuft alles ziemlich relaxed ab. So habe ich zum Beispiel am Sonntag zusammen mit noch einigen anderen Kindern und Jugendlichen vor der CIDAH gewartet bis aufgeschlossen wird, doch der Schlüsselinhaber war nach 1,5 Stunden immer noch nicht aufzufinden, sodass das Ganze ins Wasser fiel. In Deutschland wäre wohl jeder (inklusive ich) schon an die Decke gegangen, doch irgendwie hat mir das hier überhaupt nichts ausgemacht bzw. in anderen Situationen auch noch nicht – das ist vermutlich auch abhängig von der „Wichtigkeit“ des Treffens etc.

Ich denke meine Portugiesischkenntnisse machen schon etwas Fortschritte. Das Lernen fällt auf jeden Fall schon leichter, da ich aufgrund der ständigen Konfrontation mit der Sprache ein besseres Gefühl für diese entwickelt habe. Außerdem fällt mir auf, dass es sehr stark personenabhängig ist, wie gut ich das Gesprochene verstehe. Mein Sprachkönnen erlebt also häufig ein Auf- und Ab innerhalb eines Tages.

Montag, 15. Oktober 2007

Wochenrueckblick

Tage hier verlaufen mittlerweile erwartungsgemäß entgegen der Erwartung, was zum einen daran liegt, dass teilweise recht spontan gehandelt wird, und zum anderen, dass viel Information aufgrund der Sprache an mir vorbeigeht.

Am Montag bin ich mit ein paar Jungs von Casa Renascer auf einen der zahlreichen Hügel in der Nähe gewandert (natürlich mit Flip- Flops), von wo aus man eine sehr gute Aussicht über die Umgebung hat. Da es allerdings etwas trüb war, konnte man nicht bis nach Rio Centro schauen, aber bis nach Nova Iguacu. Soweit das Auge reicht nur Häuser und Hügel...einfach der Wahnsinn. Ich werde auf jeden Fall nochmals dort hoch steigen, um dann ein paar Fotos machen zu können.

Am Dienstag habe ich mich etwas im Garten von Casa Renascer zu schaffen gemacht, doch könnte man dort wahrscheinlich wochenlang arbeiten, um alles in Ordnung zu kriegen. Und dann bleibt noch die Frage offen, ob ein blitzsauberer Garten überhaupt gebraucht wird.

Am Mittwoch gings wie die Woche zuvor zur Policia Federal nach Nova Iguacu zur endgültigen Visumsbeantraung. Nach etwas Warte- und Bearbeitungszeit war ich dann endlich der stolze Besitzer eines Einjahresvisums für Brasilien. Dann trafen wir noch den neuen Pfarrer unserer Gemeinde in Miguel Couto, welcher wie der andere zur Zeit in der Gemeinde aktive Pfarrer auch aus Österreich kommt und ebenfalls wie Benni und ich erst vor 4 Wochen hier angekommen ist. Sein Portugiesisch ist allerdings schon etwas besser als meines (was beim Predigen auch von Vorteil ist). Danach hat uns Eunice noch etwas die Innenstadt Nova Iguacus gezeigt. Die Eindrücke dort waren wiedereinmal völlig überwältigen: viel Musik, viele Gerüche, viele, sehr viele Menschen etc. Dann gings in die Mall von Nova Iguacu, in welcher sich im obersten Geschoss ein kleines Geschäft von Casa do Menor befindet, wo Ketten, T- Shirt etc. verkauft werden.
Um 15.00 Uhr sollte eigentlich ein Treffen zur Vorbesprechung für die Bingo- Veranstaltung am Ende des Monats stattfinden, doch irgendwie war außer Eunice, Benni und mir keiner informiert. Zur Messe um 16.00 Uhr (jeden Mittwoch um 16.00 Uhr findet ein Gottesdienst in der Kapelle von Casa do Menor statt) konnte ich auch nicht gehen, da mir angeboten wurde mit einem Mädel aus „Casa Irma Maria“ zu einer Einrichtung (dessen Name ich gerade nicht weiss) zu gehen, wo sie zweimal die Woche eine Art Unterstützungs-/Begleit-/Hilfsseminar zur Drogenabszinenz besucht. Soweit ich das verstanden habe, bietet das Haus verschiedene Freizeit- und Therapiemöglichkeiten für drogenabhängige Jugendliche an. Bei der Hausführung hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass dort ebenfalls wie in Casa do Menor eine sehr sinnvolle Arbeit geleistet wird.

Den Donnerstag Vormittag verbrachte ich in Casa Renascer und nachmittags fand ein Fest anlässlich des „dia de criancas“ (Tag der Kinder) , welcher ein Tag später als offizieller Feiertag anerkannt ist, statt. Es waren alle Kinder aus allen Häusern anwesend und es gab einige Spiele, sowie sehr sehr viele Süßigkeiten. Der Festsaal sah danach aus wie ein Schlachtfeld (Becher, Kuchenstücke, Plastiktüten, etc.), sodass ich noch mitgeholfen habe alles wieder in Ordnung zu bringen. Da nach dem Fest eigentlich zwei neue Jungs ins Casa Renascer kommen sollten, bin ich nochmals dorthin gelaufen, um sie zu begrüßen, doch ihre Ankunft wurde auf Montag verlegt.

Der Freitag war eigentlich ein Feiertag, was heißt, dass die Ausbildungskurse sowie die Verwaltung frei hatten. Ich ging den Tag auch etwas gemütlicher an, mit schön ausschlafen und putzen des Zimmers in der Pousada. Zum Mittagessen bin ich dann zu Casa Renascer, wo ich den restlichen Tag (+Abendessen) verbrachte. Da Benni seine Digicam dabei hatte veranstalteten wir mit allen Jungs eine Fotosession, wo das ein oder andere gelungene Bild entstand (v.a. das Gruppenfoto).

Jairo und ich




v.l.n.r.:hinten:Ronaldo,Renato,Ich,Jonathan,Diogo,Josemar,Gilberto,Jonathan,Romolo
vorne:Benni,Jairo,Max,Huland,Jonathan

Wegen des Kindertages wurde ein Straßenfest vor dem Haus Renascer veranstaltet, wo es viele Spiele für die kids, viele Süßigkeiten für alle und viel Bier für die Erwachsenen gab. Auf diesem Fest ist mir nochmals besonders aufgefallen, dass es hier sehr viele Kinder gibt. Es waren mit Abstand mehr Kinder als Erwachsene auf dem Fest.

Am Samstag bin ich (wie jeden Samstag und Sonntag) zur CIDAH gegangen, wo ich mit den Kids im Pool gespielt habe und dann noch etwas am Ju- Jitsu- Unterricht teilgenommen habe (der Capoeira- Trainer Rildson bevorzugt persönlich diese Sportart, nachdem er schon 19 Jahre Capoeira spielt).

Am gestrigen Sonntag sind wir zunächst in die Kirche zum Gottesdienst gegangen, wo für ca. 30 Kinder die Erstkommunion gefeiert wurde. Danach sind Eunice, ihr Sohn Antonio, Benni und ich einer Einladung des Elektriklehrers bei Casa do Menor folgend in eine Nachbarstadt zu einem Gemeindefest gegangen. Dort gab es sehr leckeres Mittagessen und leider viel zu laute live- Musik. Nachmittags bin ich wieder zu CIDAH, wo ich quasi Einzelunterricht Capoeira hatte.

Ich höre auch immer gerne was zur Zeit bei Euch in Deutschland passiert, daher seit Ihr gerne dazu eingeladen mir emails zu schreiben. Ich werde auch zurückschreiben, nur damit muss man etwas geduldig sein, weil ich nicht alles gleichzeitig beantworten kann/ will.

Samstag, 6. Oktober 2007

wie gehts eigentlich moritz???

Letzten Samstag war die alljährliche Namenstagsfeier des Patrons der Gemeinde „Sao Miguel Arcanjo“, sodass vor der Kirche eine Bühne aufgebaut wurde, die Gemeindemitglieder auf der Straße standen und der Gottesdienst im Freien zelebriert wurde. Wie immer wurde viel gesungen und geklatscht, was mir sehr gut gefällt. Danach gab es noch eine After- Gottesdienst- Party mit viel Tanz, Gesang etc.

Am Sonntag war ich wieder in der CIDAH um Capoeira zu trainieren, doch mein Trainer entschied sich anders, sodass wir stattdessen Ju- Jitsu machten...auch nicht schlecht, gefaellt mir aber nicht so gut wie Capoeira.

In Casa Renascer gefällt es mir nach wie vor sehr gut, die Jungs haben mich gern. Ich helfe jeden Morgen beim Kochen, sodass ich schon das ein oder andere brasilianische Kochrezept gelernt habe. Vor allem abends in der Pousada koche ich gerne mit Eunice (bzw. assistiere), vor allem die superleckeren Nachspeisen: Mouse de Maracuja, bolo de cenoura (im Deutschen auch als Rüpli-/Karottenkuchen bekannt).... Als Basicessen gibt’s immer Reis und Bohnen und dazu irgendwelche anderen Leckereien (viel Fleisch). Ich liebe das brasilianische Essen jetzt schon!!!

Es ist einerseits unglaublich, dass ich jetzt schon mehr als 3 Wochen hier in Brasilien bin, und andererseits kommt es mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich hier bin, da ich mich in der Pousada, in Casa Renascer und der weiteren Umgebung schon so wohl fühle, als ob ich schon länger hier wäre. Das kommt sicherlich auch daher, dass ich hier einfach von neuen Eindrücken erschlagen bin und daher die Zeit ganz anders empfinde.

Ich denke momentan ganz fest an Salomao, ein angolischer junger Erwachsener, der seit 7 Monaten in Casa Renascer wohnt und aufgrund seiner Therapie zur Krebsbehandlung nach Brasilien gekommen ist, und der vorgestern eine erneute OP hatte. Er hat mir eine seiner zahlreichen selbstgebauten Halsketten geschenkt, die ich auch gerne trage. Wo ich gerade beim Thema Schmuck bin, ich habe von einem der Jungs (Jonathan) eine aus einem alten Telefonkarbel gebastelte Armkette geschenkt bekommen, zur „Erinnerung“ wie er gesagt hat.

Am Mittwoch habe ich zum ersten Mal Miguel Couto verlassen, um in Nova Iguacu zur Policia Federal zu gehen, wo ich mich innerhalb der ersten 30 Tage nach Einreise melden muss, damit mein Einjahresvisum Gültigkeit erlangt. Die Busfahrt dauerte ca. 30- 40 Minuten. Der Beamte bei der Policia Federal wollte uns zunächst klarmachen, dass Visumsangelegenheiten nur Freitags und Montags behandelt werden, doch als Eunice erwähnte, dass wir von Casa do Menor sind, wurden wir innerhalb der nächsten 5 Minuten bearbeitet. Für mich war das ein positives Zeichen des Bekanntschaftsgrades von Casa do Menor hier in der Baixada.
Am Abend desselben Tages ging es zu meinem ersten Trip nach Downtown Rio de Janeiro (einfach unglaublich, dass ich in de Stadt wohne, von der man schon so viel gehört: RIO), da ich nur wenige Tage nach meiner Ankunft hier in Brasilien eine Einladung zu einer Feier anlässlich des „Tags der deutschen Einheit“ des deutschen Konsuls von Rio de Janeiro erhalten habe. Da Benni und ich jeweils noch einen Anhang mitbringen durften, kamen Eunice und der Mann einer Mitarbeiterin von Casa do Menor, welcher auch gleichzeitig unserer Fahrer war, mit. Mit dem Auto dauerte die Fahrt von Miguel Couto nach Rio Centro ca. 1 Stunde und 15 Minuten bei relativ wenig Verkehr. Die Ausmaße der Stadt sind einfach nicht vorstellbar. Die ganze Fahrt über sieht man nur Häuser, Menschen, Autos, Motorräder etc. .... einfach gigantisch riesig diese Stadt. Nach ein paar Umwegen kamen wir schließlich zu der von uns gesuchten Straße, welche sich den Berg hochschlängelte und erahnen ließ zu welcher Art von Anwesen wir unterwegs waren. Doch das Haus des Konsuls, welches einem Schloss gleich kam, und die eingeladene Gesellschaft übertrafen alle Vorstellungen. Mit Blick auf den Zuckerhut und der halben Stadt wurden die Gäste mit zahlreichen Getränken und Häppchen versorgt. Einige Gäste trafen nicht unbedingt meinen Geschmack (Zitat einer netten Dame, welche mit mir vor der Toilette gewartet hat: „Ich verrate dir ein Gehemnis. Wenn du hier in Brasilien ein kleines Vermögen machen willst, musst du ein großes mitbringen.hahaahahahhaah!!!“). Diesen Abend erlebte ich die komplett konträre Welt zu der, in der ich zur Zeit hier in Miguel Couto lebe...(und in bin glücklich wieder zurück zu sein!)

Der gestrige Freitag stellte sich wieder als ein etwas besonderer Tag heraus, da am ersten Freitag im Monat eine Art spirituelle Begegnung/ Feier für alle Mitarbeiter Casa do Menors stattfindet. Ca. 50 Mitarbeiter und Freiwillige partizipierten bei Gruppenarbeiten, Gesang, Vorträgen etc. Nach dem Mittagessen ging es weiter, aber zunächst mit einem netten Pantomimespiel, wo sich die beiden rivalisierenden Gruppen lautstark und teilweise mit Körpereinsatz stritten: es war also richtig was los in der Bude. Nach der offiziellen Veranstaltung nahm ich noch an einem Treffen der Pädagogikabteilung von Casa do Menor teil, wo ich versuchte den Gesprächen zu folgen, was leider nur teilweise erfolgreich war. Was die Sprache angeht, denke ich, dass ich schon kleine Fortschritte gemacht habe, allerdings fällt es immer noch sehr schwer vor allem Gesprächen zu folgen.

Wie Ihr sicherlich auch aus dem Geschriebenen entnehmen könnt, fühle ich mich hier sehr wohl, mir geht es gut und ich genieße die Zeit.

Sonntag, 23. September 2007

die erste Woche...

„Amar a todos“ stand am Freitag auf dem „Liebeswürfel“, der jeden Tag morgens in der kurzen Morgenandacht in der Kapelle auf dem Casa do Menor– Gelände geworfen wird. Diese Einstimmung in den Tag findet gegen 8 Uhr morgens statt, d.h. so gegen 7 Uhr aufstehen, dann Frühstück (meistens mache ich mir "Romea und Julia" - sprich eine Art von Käse mit Guaven- Marmelade) und dann ein kurzer Fußmarsch von der Pousada zum CdM- Gelände (ca. 2 Minuten).

Seit Mittwoch „arbeiten“ Benni und ich im „Casa Renascer“ (renascer= wiederaufleben), wo dreizehn 10- 18- jährige Jungs und zwei pai social, sowie eine mae social wohnen. Auf dem hauseigenen Fussballplatz habe ich großen deutschen Kampfgeist bewiesen und konnte nur teilweise mit den brasilianschen Dribblekünstlern mithalten. Am ersten Tag war das Schwimmbad eine willkommene Abkühlungsmöglichkeit ( bei Temperaturen zw. 25 und 35 Grad Celsius), doch am zweiten wollte ich meine offenen Wunden (vom futebol) vor dem mittlerweile grün gewordenen Wasser schonen. Die Jungs im Haus sind aller sehr freundlich, zuvorkommend und bemüht meine portugiesischen Sätze zu entschlüsseln. Zwischendurch helfe ich den pais social mit der Arbeit in der Küche oder im Garten. Bisher bereitet mir das Zusammenleben große Freude und ich kann mir gut vorstellen, dass ich ein gutes Verhältnis mit den kids aufbauen kann. So gegen 17.00 Uhr geht’s dann zurück in die Pousada, wo man sehr herzlich von Eunice empfangen wird und wo man sich auch sehr gut zurückziehen kann. So lerne ich abends immer fleißig Portugiesisch, helfe beim Kochen etc.

Gestern war ich wieder im Kulturzentrum von CdM und habe am Capoeira- Unterricht von Rildson teilgenommen. Allerdings war der Unterricht schon nach 20 min zu Ende und alle haben sich im dortigen Pool erfrischt. Heute werde ich wieder mein bestens tun, um die afrobrasilianische Kampftanzkunst zu erlernen (sowie all die Pfunde abzutrainieren, die ich durch das deliziöse brasilianische Essen draufgelegt habe). Wo ich gerade beim Thema Essen bin: meine neue Lieblingsfrucht ist Maracuja, die man am besten direkt frisch auslöffelt.
Ansonsten bin ich noch immer überwältigt von den vielen Eindrücken und kann noch gar nicht recht fassen, dass ich nun ein Jahr hier leben werde (worauf ich mich aber sehr freue!!!). Bisher war ich noch nicht wirklich fleißig am Fotografieren, werde damit auch noch etwas warten, bis ich hier mit Sprache und Kontakten soweit integriert bin. Ich möchte ja schließlich als Moritz, der auch mal gern ein Foto macht, kennen gelernt werden und nicht als Fotograf, der Moritz heißt. Also mit Fotos habt noch etwas Geduld.

Meine Postanschrift findet Ihr auf der rechten Seite. Ich hoffe Ihr seid ebenfalls alle gut auf. Bis demnächst. Lieben Gruss aus Miguel Couto!!!!!!!!!!!!!!!

Sonntag, 16. September 2007

die ersten Tage

Benny (mein Zivipartner) und ich sind am Freitag gut hier angekommen, doch die erste Ueberraschung ereilte uns bereits bei der Gepaeckabholung als wir feststellten, dass Benny`s Gepaeckstueck doch lieber in Madrid bleiben wollte. Evtl. kriegen wir es heute oder morgen zugeschickt.

Eunice (die ``Haushaelterin der Pousada) versorgt uns bisher sehr gut. Sie ist geduldig was unsere Sprachkenntnisse angeht (der Brasilianisch-Unterricht war trotzdem sehr hielfreich und erleichtert bereits einiges), geht mit uns diverse Besorgungen machen und kocht hervorragend (Reis, Fleisch, Gemuese etc.). Ansonsten werden wir von allen sehr herzlich empfangen.

Gestern hatten wir auch zum ersten mal capoeira- unterricht und waren schon nach ein paar Minuten am Ende unserer Kraefte, da es zudem noch recht warm ist. Das ganze fand im Kulturzentrum (CIDA?) statt, wo Jugendliche aus der Umgebung die Moeglichkeit haben am Wochenende ihre Zeit zu vertreiben (Percussion, Zirkus, Capoeira, Schwimmen etc.).

Das wars fuers erste. Mir geht es sehr gut, es ist allerdings sehr anstrengend jedem einzelnen Wort in jedem Gespraech zu folgen, sodass man abends sehr schnell ins Bett faellt. Ich werde bei Gelegenheit einige Bilder nachreichen, weil man sich sonst wirklich nicht vorstellen kann wie die Umgebung hier aussieht. Tchau!!!

Freitag, 7. September 2007

Vorbereitungen

...nurnoch eine Woche, dann gehts endlich los!!! Bis dahin habe ich noch einige Kleinigkeiten zu erledigen...