Freitag, 21. März 2008

Frohe Ostern

Lange Zeit ist es eher, dass ich einen richtigen Blog- Bericht veröffentlicht habe. Das sollte allerdings kein Zeichen dafür sein, dass es mir hier nicht gut, ganz im Gegenteil: mir geht es echt gut und ich bin zufrieden mit meinem sehr abwechslungsreichen Tätigkeitsfeldern.

Ich arbeite nun schon seit fast zwei Monaten in „Casa Reviver“, dem Haus für Geschwisterkinder, in welchem zur Zeit 12 Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 16 Jahren wohnen.

Eingang von Casa Reviver...

...hinter dem Haus...

...die Veranda vor dem Haus.

Die meiste Zeit beschäftige ich mich mit den Jüngeren, die es lieben am „tio“ (Onkel), also mir, hoch zu klettern oder mich überraschend anzuspringen. Oft ist es schwierig den richtigen Mittelweg zwischen Spielkumpane und Autoritätsperson zu beschreiten.
Als letzte Woche ein Mitarbeiter Casa do Menors die Bäume des Nachbarhauses („Casa Herbalife“) gelichtet hatte, schnappte ich mir drei Jungs (12 Jahre), um ein kleines Fußballtor aus den Ästen zu basteln. Das Ergebnis ist hier zu sehen:

Jairinho mit dem "Tor"...

...Jairinho, Ruan und Reginaldo hinterm Haus...

...Ruan und Reginaldo.

Da das Gelände nicht besonders viel Raum zum Spielen und Austoben bietet, denke ich, haben sich die Jungs besonders über diese Neuigkeit auf dem Sandplatz hinterm Haus gefreut. An den drei Tagen in der Woche, an denen ich in „Casa Reviver“ bin, versuche ich den Kinder/ Jugendlichen etwas Abwechslung zu bieten. Manchmal backe oder bastele ich mit ihnen, oder gehe zu meinem alten Haus „Casa Renascer“, um sich dort im Schwimmbad etwas abzukühlen. Etwas Stolz auf mich und meine Sprachkenntnisse war ich, als ich das jüngste Mädchen in „Reviver“ alleine an der Schule angemeldet habe und das Gespräch mit der Schuldirektorin gut managen konnte.

Im Kulturzentrum, in dem ich immer Samstags und Sonntags arbeite, konnte ich einen Computer für die organisatorische Arbeit beschaffen, sodass ich nun angefangen habe, die auf Papier vorhandenen Informationen der „Mitglieder“ in den Computer einzuspeisen. Wie immer läuft das ganze etwas komplizierter als gedacht, da ich jedes Mal die Maus oder andere Teile des Computers aufsuchen muss, die meistens von den Bibliothekscomputerbenutzern entwendet wurden. Dennoch macht mir die Arbeit im Kulturzentrum echt viel Spaß, da sich dort nicht nur Kinder aus fast allen Häusern Casa do Menors versammeln, sondern auch Jugendliche aus der Gemeinde an den Aktivitäten teilnehmen, und ich somit mit vielen verschiedenen Menschen zu tun habe.


Eine weitere Neuigkeit ist wohl auch, dass ich mich seit Montag als offizieller Englischlehrer Casa do Menors vorstellen kann. Vor ein paar Wochen hatte mich Padre Renato gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte einen Englischkurs für sowohl Mitarbeiter und Jugendliche Casa do Menors, als auch der Gemeinde anzubieten. Nach einiger Vorbereitungszeit konnte ich dann am Montag und Mittwoch von jeweils 17.00 bis 18.30 Uhr Unterricht an (leider nur) 10 Interessierte geben. Wenn die Schülerzahl konstant bleibt und keiner abspringt könnte das wohl eine ganz gute Lerngruppe werden. Für mich ist es auf jeden Fall eine Herausforderung die Verantwortung für eine Menschengruppe zu übernehmen und die zur Verfügung gestellte Zeit gut zu nutzen.

Letzten Freitag hatten Benjamin und ich unser großes Jubiläum hier in Brasilien, nämlich das Halbjährige (unglaublich, aber wahr). Es ist wahnsinnig schwer klare Gedanken zu finden, was das bisher vergangene, als auch das zukünftige angeht. Wo ich mir aber sicher bin, ist, dass ich jetzt noch nicht nach Hause gehen wollte (außer bei dem Gedanken an „Grüne Sauce“), und mich sehr auf die weiteren sechs Monate freue, die sicherlich den ersten sechs in Spannung, Überraschungen, Abwechslung und Erfahrungen nicht nachstehen werden.

Bei Traumwetter an der Copacabana...

Ich wuensche Euch allen ein schoenes Osterfest!
Es grüßt Euch herzlich aus Brasilien,
Euer Moritz

Mittwoch, 12. März 2008

Monatsbericht Januar/ Februar/ März 2008

Hier ist mein aktueller offizieller Monatsbericht:


Meine Hoffnung, dass sich nach einem halben Jahr hier in Brasilien ein gewisser Rhythmus eingefunden hat, wurde bisher alles andere als erfüllt. So waren die ersten beiden Wochen des Neuen Jahres 2008 außergewöhnlich ruhig, da viele Kinder/ Jugendliche von Casa do Menor die Weihnachts- und Silvesterzeit bei ihren Familien oder Verwandten verbrachten und nur nach und nach wieder eintrudelten und das Kulturzentrum, sowie die Ausbildungskurse eine Sommerpause einlegten. Mitte Januar reiste ich nach Salvador, wo das FID- Begleitseminar, welches einen idealen Rahmen bot um sich mit anderen Freiwilligen über die bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen, stattfand. Eine weitere „Unterbrechung“ stellte der Besuch meines Bruders Ende Februar da, bei dem ich meine Fähigkeiten als Guide von Miguel Couto und Rio de Janeiro verbesserte.

Am 21. Januar, also nach dem Seminar, begann ich meine Arbeit in „Casa Reviver“, das Haus für Geschwisterkinder, in welchem sowohl Jungs als auch Mädchen im Alter von 6 bis 16 Jahren wohnen. Da dies mein erster richtiger Wechsel des Hauses war, musste ich mich zunächst an die Abläufe und die Kinder im Haus gewöhnen, und auch meinen Aufgabenbereich neu definieren. Ich beschäftige mich vor allem mit den kleineren Kindern, bei denen wie bei so vielen ein großes Aufmerksamkeits- und Berührbedürfnis besteht (Höchstzeit beim Versuch nachmittags nach Hause zu gehen: 25 min, da es sich mit jeweils mindestens einem Kind an jedem Bein schlecht laufen lässt). Mit den Kindern backe ich oft einen Kuchen oder ähnliches, bastele oder unternehme kleine Ausflüge zu anderen Häusern, die meistens eine größere Fläche zum Spielen oder sogar ein Schwimmbad zu Plantschen (bei der Hitze nur zu empfehlen) besitzen. Seitdem die Schule wieder angefangen hat, werde ich regelmäßig als Hausaufgabenhilfe gebraucht. In „Casa Reviver“ fällt mir besonders auf, dass ich auch eine Entlassung für die Sozialmutter darstelle, da es insgesamt nur zwei in diesem Haus gibt und diese meistens nur alleine arbeiten, sodass ich öfters die Aufsicht über das ganze Haus führe, während sie andere Sachen wie Einkäufe erledigen kann.

Am Wochenende bin ich nach wie vor im Kulturzentrum von Casa do Menor beschäftigt, wo ich eine Zeit lang, da ich kein wirklich konkretes Einsatzgebiet hatte, eine „Springer“- Funktion einnahm, indem ich bei der Bibliothekseinrichtung half, die Schwimmbadaufsicht übernahm oder auch einfach nur der Schlüsselverantwortliche war. Allerdings bin ich nun dabei die Einschreibungen aller „Mitglieder“ vorzunehmen, diese Daten zu ordnen und zu sichern, sowie bei der Einteilung in die Aktivitätsgruppen zu helfen. Da das Kulturzentrum teilweise etwas chaotisch abläuft, muss ich wohl mit viel Geduld an die Arbeit gehen.

Nach einem kurzen Durchhänger vor dem Begleitseminar und einer kleinen Krankheitsphase bin ich wieder fit und fühle mich was die Arbeit und das soziale Netz angeht bei Casa do Menor sehr wohl. Die sich ständig verbessernden Sprachkenntnisse tragen entscheidend dazu bei. Am Freitag, den 14. März, wird die zweite Hälfte meines Aufenthaltes hier in Miguel Couto eingeläutet. Das vergangene halbe Jahr war außergewöhnlich bereichernd und ereignis- und erfahrungsintensiv, verging aber viel zu schnell. Für die zweite Hälfte wünsche ich mir eine weiterhin spannende Zeit mit vielen Begegnungen, Einblicken und Erfahrungen.