Dienstag, 20. Mai 2008

Lebenszeichen

Ja, ich lebe noch, und bis auf einen Husten geht’s mir richtig gut. Die letzten vier Wochen waren sehr außergewöhnlich, da meine Eltern und meine Schwester aus dem fernen Heimatland nach Brasilien kamen, um ihren Jüngsten zu besuchen und zu sehen, wo er sich überhaupt die letzten acht Monate rumgetrieben hat. Diese Situation an sich finde ich unglaublich spannend: meine Eltern, die mich mein bisheriges Leben immer beschützt und betreut haben, kommen an einen Ort, wo ich mich um sie kümmern und sie an die Hand nehmen muss (also genau umgedreht). Der Besuch war wohl für beide Seiten sehr bereichernd. Meine Familie hat durch ihre Aussagen und Ansichten viele Dinge noch einmal in einem anderen Licht erscheinen lassen, und meine Familie hatte die Möglichkeit meine Umgebung, mein Leben hier kennenzulernen. Da wir zwei größere Reisen unternahmen, durfte ich noch mehr von diesem unglaublich vielseitigen Land erfahren.

Die eine führte nach „Foz do Iguaçu“, im Staate Paraná am Länderdreieck Argentinien- Brasilien- Paraguay gelegen. Hier besuchten wir zwei Tage lang den Nationalpark rund um die „Cataratas do Iguaçu“ (Wasserfälle von Iguaçu). Es war wirklich atemberaubend dieses Naturspektakel, welches aus 150- 275 40- 90 Meter Hohen Wasserfällen besteht, zu beobachten. Dabei bildeten sich bei Sonnenschein unzählige Regenbögen in dem Dunst des in die Tiefe stürzenden Wassers. Einfach wunderschön!


So ungefaehr muss das Paradies aussehen...

...etwas nass wurde es auch....

...die Hauptattraktion: der "Teufelsrachen"!


Die andere beinhaltete das Abenteuer „Automieten –und fahren in Brasilien“. Mit viel Geduld musste ich zwischen der Autovermietungsangestellten und meinem Vater übersetzen, vermitteln, interpretieren, um die beiden, unterschiedliche Systeme gewoehnten Parteien auf einen Konsens zu bringen. Als wir dann aber schließlich das Auto hatten, waren wir nur in wenigen Stunden an einem herrlich einsamen, ruhigen Ort an der westlich von Rio de Janeiro gelegenen Küste, „Costa Verde“ (Grüne Küste) genannt, und genossen den Meerblick, das Papagaiengeschrei, etc. Das also ein krasser Kontrast zum Häusermeer Rio de Janeiros…Wir waren in einer sehr schönen Pousada untergebracht, wo es morgens diverse Früchte und selbsthergestelltes Gebäck und abends frisch gefischten Fisch gab. Fünf Nächte verbrachten wir dort und unternahmen allerlei Ausflüge an die zahlreichen Strände und das Kolonialstädtchen „Parati“. Nur drei Stunden außerhalb Rios scheint die Welt eine ganz andere zu sein: vom Atlantischen Regenwald bedeckte Berge, Ruhe, bei Nacht kann man unbesorgt herumlaufen,…

"Costa Verde"- im wahrsten Sinne des Wortes...

...Zeit zum relaxen...


...


Vier Tage nahmen wir uns, um etwas in diese wahnsinnige Stadt Rio de Janeiro reinzuschnuppern. Copacabana, Ipanema, Botanischer Garten, Zuckerhut, Christus, um nur ein paar Highlights zu nennen. Um meine Familie auch nicht von der Realität zu verschonen nahmen wir immer überall die öffentlichen Busse, was an sich immer schon ein Abenteuer und eine extreme nervliche Belastung darstellt (Klimaanlage auf Gefrierfacheinstellung, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau, Stau Klimaanlage immernoch auf Gefrierfacheinstellung, St….). Es ist wohl wirklich eine Stadt zum Lieben und zum Hassen, wobei ich sie wohl eher liebe…


Die zwei Geschwister vor dem "Dois Irmãos"- Huegel am Ipanema- Strand...


...Favela und Christus.



Und natürlich verbrachten wir auch einige Tage hier in Miguel Couto bei Casa do Menor. Meine Eltern und meine Schwester wurden sehr herzlich empfangen und konnten sich davon überzeugen, dass ich mich hier in echt guten Händen befinde. Wir besuchten die Häuser, das Zentrum Casa do Menors mit seinen Ausbildungskursen, und auch das Kulturzentrum.


Auf dem Casa do Menor- Gelaende...

...im Kulturzentrum (der goldige Junge ist Alex).

Es war insgesamt eine tolle Zeit, die sicherlich auch in Zukunft im Verhältnis zu meiner Familie wichtig sein wird, da es noch mal etwas ganz anderes ist, gesehen zu haben, wie es denn wirklich „da drüben“ aussieht.

Jetzt freue ich mich aber auch auf die nächsten (letzten
:( ) vier Monate, die vor mir liegen, da die Zeit des Orientierens, Sprachelernens etc. vorbei ist und ich mich voll meinen Aufgaben und dem eigentlichen Leben widmen kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen alles Gute!!!!

Herzlicher Gruß aus Brasilien

Moritz