Ich befürchte, dass in den nächsten Tagen auch nicht mehr Weihnachtsgefühle in mir geweckt werden, aber ich wünsche Euch dennoch eine schöne, hoffentlich nicht stressige Weihnachtszeit!
In den vergangenen sieben Tagen ist mal wieder einiges passiert. Zum einen war ich letzten Donnerstag Abend zusammen mit Kids und Mitarbeitern, sowie Pe. Renato und den zur Zeit Casa do Menor- besuchenden Italienern im italienischen Konsulat in Rio Centro. Der Anlass des Besuches war die Buchvorstellung des von Pe. Renato auf Italienisch verfassten Buches „In Strada“ (in der Straße). Doch bevor diese begann, legten ein paar Jungs und Maedels von Casa do Menor eine mitreißende Bühnenshow mit Perkussion und Capoeira hin. Die Buchvorstellung an sich war nicht allzu lang, wohl weil sich schon alle auf die feine italienische Pasta und Panetone freuten, was danach serviert wurde...Mir hat sehr gut gefallen wie Pe. Renato den Titel seines Buches erklärte. Er meinte nämlich, dass dieses Buch nur das Sprachrohr für diejenigen sei, die nicht die Möglichkeit haben ihre Stimme zu erheben, um über sich zu berichten, um zu kritisieren, um auf sich aufmerksam zu machen etc., die auf der Straße leben....
Der Freitag begann bereits um 5 Uhr in der Frühe, als ich nämlich von Cicero und Claudio mit dem Auto abgeholt wurde, um zu Casa Rafael (das vor erst einem Jahr erhaltene Haus im Zentrum Rios, welches vor allem als direkter Anlaufpunkt für Straßenkindern genutzt werden kann) zu fahren, wo noch letzte Übergabebesprechungen zwischen Cicero und Claudio ablaufen sollten, da Cicero mit einer Gruppe von ca.12 Personen nach „CdM Fortaleza“ geht und Claudio seine Arbeit als Verantwortlicher von Casa Rafael fortführt. Aufgrund Ciceros Stadtkenntnissen kamen wir bereits zweieinhalb Stunden später dort an (ohne Schleichwege hätten wir vermutlich über eine Stunde länger gebraucht). Zunächst habe ich das Haus etwas erkundet und danach den dortigen Computer etwas benutzbarer gemacht. Wie bei fast allen Häusern CdMs ist das Haus an sich absolut genial, doch leider ist es auch sehr renovierbedürftig (bei Regen überall Wasser im Haus!). Nach dem Mittagessen gings weiter, und zwar nach Rocinha, eine der wohl bekanntesten Favelas Rio de Janeiros. Sie ist auf einem der zahlreichen Hügel gelegen, sodass sich eine enge Hauptstrasse hindurchschlängelt. Dort haben wir uns mit einem Jungen getroffen, der bereits einmal in CdM war und in den „traffico“ involviert ist. Danach erzählte mir Cicero, dass wohl (wenn man genau geschaut hat) überall Personen am Informationsdurchgeben per Handy und im Hintergrund sicherlich bewaffnete „trafficantes“/ Einwohner/...waren. Ein etwas seltsames Gefühl im Bauch hatte ich schon, doch in Gefahr habe ich mich niemals gefühlt...
Am Sonntag war ich zunächst auf dem Weihnachtsfest der Häuser im Kulturzentrum, wo es zunächst ein paar Aktivitäten wie Fußball und Schwimmen, dann Mittagessen und am Schluss Geschenke für jeden gab (so ähnlich wie Weihnachten im Schuhkaton). Nach dem Mittagessen habe ich die Festlichkeiten allerdings verlassen, da ich am Nachmittag zu der Jahresfeier einer Englisch- und Spanischschule eingeladen war. Ich war erstaunt zu sehen/ zu hören, dass Brasilianer ja doch Englisch sprechen können....Abends bin ich dann noch mit ein paar Leuten in eine Karaokebar gegangen, was ein Riesenspaß war.
So langsam bekomme ich auch eine Übersicht über die „cidade maravilhosa“. Viel dazu beigetragen hat der Riotrip am Montag. Zunächst war ich völlig davon beeindruckt wie Cicero inmitten Rio Centro (das kommerzielle Zentrum Rios) einen sehr einfach erreichbaren, kostenfreien Parkplatz gefunden hat. Wir (Benni, Emanuele [Italiener] und ich) begleiteten Cicero, der nämlich einen Brief abgeben musste, und konnten dadurch etwas zwischen den Hochhäusern herumschlendern und dadurch den Eindruck gewinnen, dass wir vielleicht doch nicht in Rio sind, sondern in New York City. Doch dann ging es zum eigentlichen Ziel des Tages: der auf dem Corcovado gelegene und zu den Weltwundern zählende Christo Redentor. Unser Weg führte zunächst durch den Stadtteil St. Teresa und dann durch den Dschungel bis (fast) zum Christo. Nach der Freude endlich an diesem weltberühmten Ort zu sein stellte sich bei mir etwas Trauer ein, da dicke Wolken die Sicht auf die Umgebung verdeckten und Christo, wie so oft, mit dem Kopf und vor allem den Händen im Nebel lag. Doch zum Glück kam dann doch noch die Sonne durch, sodass uns ein fantastischer Ausblick über die wunderschöne Stadt geboten wurde und folgende traumhafte Fotos entstehen konnten.





Von einer etwas niedriger gelegenen Aussichtsplattform präsentierte sich die Stadt in noch schönerem Lichte, was in folgenden Fotos leider nur ansatzweise wiedergegeben werden kann.

Nach der Touri- Tour fuhren wir in die Nähe des Busbahnhofes, wo wir uns mit Pe. Renato, den Italienern und ein paar CdM- Kids trafen, um mit den dortigen Straßenkindern ein kleines Weihnachtsfest zu feiern. Der jüngste Teilnehmer unter den Straßenkindern war ein ein Monat altes Baby, was am Ende zusammen mit ihrer Mutter mit nach Miguel Couto kam. Es war mittlerweile das dritte Mal, dass ich beim Besuch der Kinder dabei war, sodass ich ein paar wiedererkannt habe. Ich fühle mich nicht mehr ganz so verloren und hilflosen zwischen den Kindern wie das beim ersten Mal der Fall war. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich jetzt in etwas weiß, was mich erwartet. Den Dienstag habe ich im Büro verbracht, da ich die Ehre hatte zwei Projekte vom Portugiesischen ins Deutsche zu übersetzen.
Wie zuvor wünsche ich Euch allen eine schöne Weihnachtszeit!
Braungebrannt und fröhlich grüsst der Moritz aus Brasilien...
Mit Marcos beim Pfannkuchenmachen...


