Dienstag, 4. Dezember 2007

Bericht November 2007

In diesem Monat war mir sehr viel Abwechslung geboten, was vor allem an den vielen internationalen Besuchen (zwei Deutsche, ein Engländer, sechs Kubaner, fünf Italiener und sechs Deutsche) lag, da ich die Möglichkeit hatte die Besucher auf ihrer „Casa do Menor- Kennenlern- Tour“ zu begleiten und somit mir noch unbekannte Einrichtungen/ Orte zu erkunden und einen weiteren Einblick in die vielseitige, sinnvolle und schöne Arbeit von Casa do Menor zu erhalten. Zu den besuchten Orten zählen die „Fazenda da Esperança“ in Teresopolis und Guapimirim (Drogenentzugtherapie durch Selbstversorgung auf einem Bauernhof), „Casa do Menor Rosa dos Ventos“ (Kindergarten, Schule, Kulturzentrum und Ausbildungskurse im nahegelegenen Ort Rosa dos Ventos) und Vila Claudia.Teilweise konnte ich schon meine wachsenden Sprachkenntnisse unter Beweis stellen, als ich zum Beispiel bei den Ausflügen Übersetzungshilfe leistete, oder auch für die Touristikleitung die Regeln der Pousada zum einen ins Deutsche und zum anderen ins Englische übersetzte.

Bisher habe ich zwei Tage in Casa Angelo (8- 14- jährige Jungs) verbracht und somit den Ablauf eines anderen Casa- Lares schon etwas kennengelernt. Der Umgang mit den Kindern dort weicht von dem mit den Kindern/ Jugendlichen in Casa Renascer ab, da ich dort viel mehr als Autoritätsperson gesehen werde als ein Kumpel (was beides durchaus gut ist, wie ich finde!). Mein Ersatzdienstpartner Benjamin und ich haben in Casa Angelo ein Lagerfeuerabend mit Stockbrot veranstaltet, worüber sich die Jungs wahnsinnig gefreut haben.

Die meiste Zeit habe ich aber weiterhin in Casa Renascer verbracht, wo ich jetzt zum erstmal mitgekriegt habe, dass sich die Besetzung der Häuser immer im Wandel befindet, da zum einen Jugendliche in ein anderes Haus oder nach Zuhause ziehen und somit neue Jungs aus der Erststationierung in Tinguá nachrücken können oder zum anderen es einige Jungs wieder auf die Straße oder zum vorherigen Leben zurückzieht. Ich denke, dass ich ein (sehr) gutes Verhältnis zu den Jungs habe, und einen guten Mittelweg zwischen Spaßerei und Ernsthaftigkeit/ Respekt gefunden habe. Freitags begleite ich zwei der Jungs zum (Lese-) Nachhilfeunterricht im benachbarten Bairro.Als ich dennoch Ende des Monats das Gefühl hatte auf der Stelle stehen zu bleiben (nach ca. 10 Wochen Casa Renascer), kam die Frage des Leiters des Kulturzentrums (CIDAH) Stefio, ob ich ihm nicht bei seiner Arbeit etwas behilflich sein kann, gerade richtig. Seine Anfrage beinhaltet folgende zwei Arbeitsbereiche:1. Wiederaufnahme des Schwimmunterrichts, welchen mein Vorvorgänger und mittlerweile Halbbrasilianer, ins Leben gerufen hatte (voraussichtlicher Beginn am 01.Dezember)2. Unterstützung bei der bürokratischen Arbeit des Kulturzentrums (Immatrikulation neuer Kinder/ Jugendliche, sowie Ergänzung und Pflege der Unterlagen bereits immatrikulierter Kinder/ Jugendliche)Mit letzterem habe ich bereits begonnen. Ich bin auf jeden Fall sehr glücklich über die Änderung und bin gespannt auf die Herausforderungen, die mich bei der Arbeit im Kulturzentrum erwarten.
Nach 10 spannenden, erfahrungs- und ereignisreichen Wochen fühle ich mich in meiner neuen Heimat unheimlich wohl und genieße es mit den liebevollen Mitarbeitern und- menschen zu arbeiten und zu leben.

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