Dienstag, 8. Januar 2008

Frohes Neues Jahr

Zusätzlich wünsche ich Euch allen viel Gesundheit, Freunde, Liebe und Energie für alles was Ihr tut oder tun wollt!!!

Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel liegen hinter uns, sodass ich nun etwas darüber berichten werde wie ich diese besondere Zeit des Jahres hier in Brasilien verbracht und erlebt habe.

Montag, den 24. Dezember, 19.23 Uhr, Pousada Casa do Menors in Miguel Couto (Heilig Abend):
Es ist heiß, die von der brasilianischen Jugend geliebte Funkmusik schallt von der Straße, man hört Menschen singen und lachen, die Weihnachtsbeleuchtung am Miniaturzusammensteckweihnachtsbaum ist ein Epilepsierisiko, der Duft von frisch zubereiteten Schinkenbraten verbreitet sich im Haus...
Eunice hat all ihre Kochkünste aufgefahren, um Benni, Alena (Bennis Freundin, die für 10 Tage zu Besuch war) und mir ein feines Weihnachtsmahl zu kredenzen. Zwischen Hauptgang und Nachspeise tauschten wir Geschenkchen aus, und dann warteten wir bis Mitternacht um uns gegenseitig Frohe Weihnachten zu wünschen und darauf mit einem Sekt anzustoßen. Für das erste weihnachtliche Gefühl in diesem Jahr sorgte die Weihnachtslieder- CD, die mir meine Eltern mitgegeben hatten, und mich an den Kreutzmannschen Heilig Abend denken ließ.
Zum Weihnachtsgottesdienst gingen wir am folgenden Vormittag, wo die Kirche (für mich sehr überraschend) fast leer war. Zum Abschluss des Gottesdienstes sangen der österreichische Pfarrer, sowie wir drei Deutsche das Lied „Stille Nacht“ :).Dann gingen wir in Casa Renascer, wo alle zurückgebliebenen Jungs untergebracht waren (viele Kinder/ Jugendliche sind über die Weihnachts- und Sylvesterzeit zu Familienangehörigen gegangen), um das Mittagessen zuzubereiten: Chili con Carne, zum Nachtisch Pfannkuchen mit Schokosauce. Beim Essen habe ich dann festgestellt, dass ein brasilianisches Weihnachtsgericht nicht unbedingt durch ein deutsches auszutauschen ist: mein von der Außentemperatur sowieso schon stark belasteter Körper wurde vom Chili zu noch größerer Transpiration genötigt.
Nachmittags bin ich auf eine Einladung hin zu einer Freundin gegangen, sodass ich die Möglichkeit hatte mitzuerleben wie die Weihnachtstage in einer brasilianischen Familie ablaufen (können). Zunächst haben wir im Haus ihrer Oma etwas gegessen. Von ihren Geschwistern, Tanten, Onkeln und weiteren Verwandten wurde ich herzlich aufgenommen. Wir saßen gemeinsam vor dem Haus auf der Straße, wo einfach nur ein großes Fest abging: (wie immer) laute Musik, tanzende Menschen, Churrasco (Grill), Bier...Dann ging es weiter zur Freundin der Freundin. Nach weiteren Schlemmereien gingen wir zum Haus der Tante der Freundin der Freundin. Auch dort schien die ganze Familie versammelt und ich wurde wieder wie ein eigener Sohn aufgenommen und konnte mich wie zu Hause fühlen. Bei diesen Weihnachtsfestlichkeiten wurde mir einmal mehr deutlich wie unterschiedlich die deutsche und brasilianische Kultur sind. Bei niedrigen Temperaturen in Europa zieht man sich eher ins Haus zurück und verbringt die Zeit im Kreise der Familie. Bei hohen Temperaturen in Brasilien findet Weihnachten draußen statt, zusammen mit Familie und Freunden. (schöne Verallgemeinerung :) ).

Am Freitag nach Weihnachten fand in Casa do Menor zunächst das monatliche spirituelle Zusammentreffen, leider ohne Pe. Renato, der zur Zeit auf Reisen nach „Casa do Menor Fortaleza“, Deutschland und Italien ist, statt. Darauf folgenden gab es ein großes Jahresabschlussfest aller Casa do Menor- Mitarbeiter auf einem nahegelegenen Grundstück. Radiomusik wechselte sich ab mit selbst musizierter Sambamusik (Tamburin, Okulele, ....), die bei mir ein typisches Brasilienfeeling auslöste.

Das Wochenende zwischen den Jahren verbrachte ich zusammen mit einer Freundin und noch weiteren zwei Freundinnen von ihr in Itaipuaçu (gehört zu Niteroi), wo ihre Schwester wohnt. Bei blauen Himmel und Sonnenschein genoss ich zwei Tage lang das Nichtstun am Strand....

Dann war es mal wieder so weit: ein spannendes, ereignisreiches Jahr mit Schulabschluss und Brasilienbeginn neigte sich dem Ende und ein neues Jahr, welches unzählige Geheimnisse birgt, wurde begonnen. Ich hatte das große Glück diesen Wechsel auf der weltweit größten Feier an der Copacabana miterleben zu dürfen. Dabei nutzen Benni und ich die Chance in Casa Rio unterzukommen, und uns somit eine unangenehme Rückreise nach Miguel Couto in der Nacht zu sparen. Dort schauten wir zunächst einen Film und aßen gemütlich zu Abend, als wir feststellten, dass wir gar nicht mehr so viel Zeit haben, um bis zur Copacabana zu kommen. Es schien wirklich die ganze Stadt an den Strand zu pilgern, sodass ich positiv überrascht war, als ich an der Copacabana ankam, da sich die 2 Millionen Menschen sehr gut auf die 4 Kilometer Strand verteilten und somit ein Schulter- an- Schulter- Gequetsche ausblieb. Es ist wohl üblich sich in der Farbe zu kleiden, dessen Symbolik man sich für das nächste Jahr wünscht: Weiß:Frieden, Rot:Liebe, etc. Ich war, wie die meisten Anderen, in weiß gekleidet. Mit den Füßen im Atlantik stehend bewunderte ich dann ab Mitternacht das 23 Minuten andauernde Feuerwerk, welches den ganzen Strand taghell erschienen ließ und meine Endorphinausschüttung in die Höhe trieb. Darauf folgten zahlreiche Umarmungen und „Feliz Ano Novo“- Wünschungen. Um ca. 02:30 Uhr machten wir (Gruppe von ca. 10 Casa do Menor- Leuten) uns auf den Rückweg zu Casa Rio. Das Bussystem war völlig überlastet, doch wir haben trotzdem irgendwie einen Platz in einem bekommen. Um 4:00 Uhr lag ich dann erschöpft, aber aufgrund der Aussicht ¾ des nächsten Jahres im wunderschönen Brasilien verbringen zu können glücklich, im Bett.
Der erste Tag des neuen Jahres hätte besser nicht beginnen können. Ich lag nämlich aus einer Kokosnuss Kokoswasser schlürfend, mit Blick auf den Zuckerhut, und Christus im Rücken am Flamengo- Strand und genoss mein brasilianisches Leben :).
Nachdem ich wieder nach Miguel Couto zurückgekehrt war, holte uns (Benni, Moritz) Vanderlei, der Bruder einer Casa do Menor- Mitarbeiterin, mit dem Auto ab, und fuhr uns zu sich nach Hause, wo zahlreiche Familienmitglieder anwesend waren. Dort wurde dann nur für Benni und mich- die anderen müssen schon gegessen haben- eine Speise nach der anderen serviert und ein erfrischendes Getränk nach dem anderen eingeschenkt. Eine Gruppe von vier kleinen Mädels war besonders angetan von uns, da wir wohl die ersten Ausländer waren, die sie in ihrem Leben kennengelernt haben. Das äußerte sich in so fern, dass sie uns genau musterten und immer eine gewisse räumliche Distanz wahrend tuschelten. Sie wollten dann auch unbedingt ein Foto mit uns schießen, doch zuvor sprangen alle noch mal unter die Dusche und machten sich schick :). Einfach zu goldig....Nach nur zwei Stunden fuhr uns Vanderlei wieder nach Hause und ich war wieder von dieser unglaublichen Gastfreundlichkeit und Offenheit, die ich nun schon öfter hier in Brasilien erleben durfte, überrascht.

Am Mittwoch, den 09. Januar, fahren Benni und ich nach Salvador da Bahia, wo das Zwischenseminar stattfindet. Ich freue mich sehr darauf, da es dort sicherlich genügend Zeit gibt, um das Bisherige zu reflektieren und auch etwas Abstand zum Alltäglichen hier zu gewinnen.

Viele liebe Gruesse

MOOOOE

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi Moe,
toll zu lesen, wie Ihr das neue Jahr begonnen habt und der Alltag im Casa do Menor durch Weihnachten und Neujahr eine willkommene Abwechslung erfahren hat.
Mich hätte schonmal ein Foto mit der Tante der Freundin der Freundin und der Freundin der Freundin und der Freundin interessiert - aber, es muß ja spannend bleiben.

Gute Zeit in Salvador
Rolf