In den ersten paar Tagen nach meiner Ankunft am 14. September wurde mir die Einrichtung „Casa do Menor“ (Casa Lares- Häuser für die Unterbringung der Kinder, CAPS- Administration und Ausbildungskurse, CIDAH- Kulturzentrum) von verschiedenen Mitarbeitern vorgestellt, sodass ich dann entscheiden konnte, in welches der Häuser ich zunächst gehen möchte. Meine Wahl fiel auf „Casa Renascer“ („Haus des Wiederauflebens“), wo zur Zeit neben einem angolaschen Jugendlichen namens Salomao, welcher zur Krebstherapie nach Brasilien gekommen ist, und den zwei „pais sociais“ (Sozialeltern)13 Jungs im Alter von 12 bis 17 Jahren wohnen.
In der Regel „arbeite“ ich von 8.45 Uhr (zuvor um 8.00 Uhr morgendliche Andacht in der Kapelle von Casa do Menor, sowie 15 Minuten Weg zu Casa Renascer) bis 17.00 Uhr in Casa Renascer. Allerdings finde ich es schwer meinen Aufenthalt dort als wirkliche Arbeit zu bezeichnen, da ich es eher als ein „Zusammenleben“ empfinde. Ich spiele mit ihnen Fußball, singe mit ihnen, tanze mit ihnen, mache einen Ausflug auf einen nahe gelegenen Hügel, von wo aus man eine Sicht über einen Großteil der Baixada Fluminense hat, versuche mich mit ihnen zu unterhalten (aufgrund von mangelhaften Sprachkenntnissen oft schwierig) und bin traurig und glücklich mit ihnen. Ich bin also als Teil der Familie Renascer zusätzlich zu den „pais sociais“ ein Ansprechpartner, der sich den Kindern/ Jugendlichen präsent zeigt und auch jedem etwas mehr Aufmerksamkeit zubringen kann. Dabei versuche ich auch die „pais sociais“ etwas zu entlasten, indem ich vormittags beim Kochen helfe (meine besondere Leidenschaft gilt der Knoblauchzubereitung), im Garten etwas für Ordnung sorge, oder auch kleine handwerkliche Dienste verrichte (Reparatur des Schrankes eines Jungen).Das Verhältnis zwischen den Jungs und mir ist seit meinem Beginn vor ca. 6 Wochen vertrauensvoller geworden, sodass ich mir sicher bin, dass ich, sobald ich das Haus demnächst wechsele, sie vermissen werde und auch umgekehrt, dass sie mich vermissen werden.
Insgesamt fühle ich mich hier in Miguel Couto sehr wohl und kann behaupten, dass ich mich recht gut eingelebt habe. Mit wachsender Sprachkenntnis und damit auch wachsendem Verständnis für Vieles bekomme ich einen immer weiteren Einblick (auch wenn bruchstückhaft) in die „Geschichten“ der Kinder, die Arbeit Casa do Menors, das Leben in der Baixada und die Kultur Brasiliens. Ich bin auf jeden Fall froh den Schritt ins Unbekannte gewagt zu haben und blicke gespannt und mit Freude in die nächsten 10,5 Monate hier in Brasilien!
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