Am Freitag letzter Woche ging es los. Auf dem Platz von Miguel Couto war von Freitag bis Dienstag eine grosse Buehne aufgebaut, sodass ich es mir natuerlich nicht entgehen lassen konnte am Karnevalseroeffnungsabend mit noch drei weiteren Casa do Menor- Mitarbeitern und mittlerweile auch auch guten Freunden auf diese Feier zu gehen. Es waren einige “Buden” aufgebaut, an denen Getraenke und Essen verkauft wurden. Der Grossteil der Besucher war am Tanzen oder Singen.
Am Samstag sollte ich unbedingt puenktlich um 09:00 Uhr bei einer Freundin zu Hause erscheinen, um dann rechtzeitig zu einem Umzug im “Centro” von Rio zu kommen. Da aber ihre Schwester mitkommen wollte und diese spurlos verschwunden schien und erst um 12:00 Uhr kam, verspaeteten wir uns etwas und verpassten diesen traditionellen Umzug namens “cordão do bola preta”. Dennoch hielten wir uns etwas im “Cenro” auf, wo viele Leute dem Umzug entsprechend Schwarz und weiss gekleidet waren. Die Kulisse erkannte ich kaum wieder, da alle Srassen mit Menschen gefuellt waren. Wir entschlossen uns nach Ipanema zu fahren, doch zuvor mussten wir uns durch die Menschenmassen bis zur naechsten Metrostation draengen .
Wir schlenderten dann aber gemuetlich auf dem grossen Buergersteig direkt am Strand von Ipanema entlang, setzten uns in eine Bar, und genossen die wenigen Sonnenstrahlen, die durch die graue Wolkenwand brachen.
Als sich Benni um 16:00 Uhr unserer Gruppe angeschlossen hatte, mischten wir uns unter die Leute, die auf den Beginn der “Banda de Ipanema” warteten. Diese Band sollte sich die naechsten Stunden durch Ipanema schlaengeln und dabei von mehreren tausend Menschen begleitet werden. Das ist wohl die traditionelle Art des Umzuges. Meine Erwartung ueberall halbnackte Sambataenzerinnen bestaunen zu koennen wurde von den deutschen Medien gepraegt, die vor allem den Durchzug der Sambaschulen durch das “Sambódromo” zeigen, und leider auch enttaeuscht. Dennoch amuesierte ich mich in dieser ausgelassenen Feierstimmung, die alle zum Tanzen und Singen aufforderte. Nach ca. 1,5- stuendigen Aufenthalt in der dichtgedraengten Menschenmasse, 50 Meter Vorankommen, (geklautem Mobiltelefon) und unglaublicher Hitze machten wir eine Pause am Strand, wo es verhaeltnismaessig leer war und man sich etwas ausruhen konnte. Nachdem wir den Umzug noch einmal gefolgt waren, entschlossen wir uns den Abend an der Copacabana ausklingen zu lassen, wo wir dann auch hinfuhren und uns in eine der zahlreichen Strandbars setzten.

"Banda de Ipanema"...

...der Umzug...

...am Strand von Ipanema...

...an der Copacabana.
Als wir uns um ca. 21:00 Uhr auf den Weg nach Hause machten, wusste ich noch nicht was fuer eine Abenteuerreise mich erwarten wuerde. Die sich nach Fabiolas Angaben in nur “zwei Minuten” Entfernung befindliche Metrostation fanden wir schon bereits nach einer Stunde. In der Metro verpassten wir unsere Metroumsteigestation, sodas wir bei der naechsten aussteigen, umsteigen und zurueckfahren mussten. Nachdem wir eine Ewigkeit bis zur Endstation “Pavuna” gefahren waren, mussten wir den Busbahnhof suchen. Einen romantischeren Ort haette ich mir um diese Uhrzeit (00:00 Uhr) nicht vorstellen koennen: Dunkelheit, Regen, Dreck. Am Busbahnhof reihten wir uns in die Warteschlange fuer den Bus nach Miguel Couto ein. Die Wartezeit wurde durch ein Gespraech mit einem unheimlich reinblickenden Schlachtmeister nur unwesentlich verkuerzt. Als zwei alte VW- Kleinbusse vorbeikamen (diese fahren die gleichen Stecken wie die normalen Busse), wunderte ich mich, warum die Wartenden wie verrueckt auf diese losstuermen. Nach wenigen Sekunden waren die Kleinbusse bis unters Dach gefuellt, die Kofferraumktuer stand offen, Beine baumelten heraus. Das ganze klaerte sich auf als wir mit einem Kisokverkaeufer sprachen und dieser meinte, dass um diese Uhrzeit keine Busse mehr fahren wuerden. Also setzten wir uns in den naechsten VW- Bus , der vorbeikam. Eine Neonroehre beleuchtete den Innenraum (das Licht haette der Fahrer lieber mal als Scheinwerfer benuten sollen, den es naemlich nicht gab!). Der Dieselmotor knatterte wie verrueckt hinter uns, sodas Benni und ich schnell anfingen darueber zu spassen, dass der Motor kaputt geht. Das Anfahren nach den “Geschwindigkeitsreduzierhubeln” wurde immer schwerer, der Motor wurde immer lauter, die Kupplung hoerte sich immer schrecklicher an…bis schliesslich der Motor wirklich ausging. Zum Glueck befanden wir uns nur eine halbe Stunde Fussmarsch vom Haus unserer brasilianischen Freunde entfernt, sodass wir dort nach ca. vier Stunden Reise schlafen konnten.
Am naechsten Morgen bin ich dann gleich nach Hause gefahren und bin mit den Jugendlichen aus Casa do Menor nach Tinguá gefahren, wo auf dem Landgut von Casa do Menor ein “retiro” (Treffen) stattfinden sollte. Dort verbrachten wir den ganzen Tag, es gab Rollenspiele, viel Gesang, einen Gottesdienst und etwas Freizeit zum Fussballspeilen etc. Abends schaute ich mir dann im TV die erste Sambaschule im “Sambódromo” an, schlief aber schnell ein.
Am Montag und Dienstag Abend wurde im Kulturzentrum eine Feier fuer die Kids von Casa do Menor veranstaltet. Ich wurde natuerlich gleich in die Auswahl der besten “Kostueme” gewaehlt.

"Kostuemwettbewerb"...

...Romulo und Mauricia.
Ich hoffe Ihr habt diese abgefahrene Zeit des Jahres gut ueberstanden. Mir gehts auf jeden Fall gut.
Liebe Gruesse aus Rio
Moe
1 Kommentar:
Hi Mauricia, beim ersten Blick auf das Bild hatte ich angenommen, Du hättest Dir die Haare abgeschnitten - doch dann sah ich die Schwänzchen!
Grüß Dich
Rolf
Kommentar veröffentlichen